Das liegt auch daran, dass mit der Zuwanderung aus muslimischen Ländern ein Antisemitismus importiert wurde, der sich aus der Kritik an der Politik Israels speist. Die Bundesregierung will nun reagieren und religiöse Intoleranz möglichst schon bei Kita-Kindern bekämpfen. Doch wären die Einrichtungen damit überfordert.
Wenn die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU) verlangt, bereits Kita-Kindern sollten „die Regeln unseres Zusammenlebens klar vermittelt werden“, dann hört sich das gut an. Aber dass alle Kinder gemeinsam spielen, essen und lernen, egal aus welchem Land oder welcher Kultur sie stammen, ist bereits jetzt selbstverständlich. Von weitergehenden Projekten wie die „Kinderstube der Demokratie“ sollte man nicht zu viel erwarten. Denn in der frühen Kindheit sind es die Eltern, die das Wertesystem eines Kindes entscheidend prägen.  Kita-Erzieher, die mit ihren vielfältigen Aufgaben ohnehin voll ausgelastet sind, können gegen zu Hause gelebten Antisemitismus nur wenig ausrichten.
Andere Vorschläge sind eher geeignet, das Problem in den Griff zu bekommen. So wäre ein besseres Meldesystem für antisemitische Übergriffe an Schulen, wie es Familienministerin Franziska Giffey jetzt vorgeschlagen hat, ein wichtiger erster Schritt. Die Bundesländer sollten es dringend beschließen. Auch geht es darum, Mängel in der Lehramtsausbildung auszuräumen. Vielen Pädagogen fehlt es nämlich noch an Rüstzeug, um auf die neuen Herausforderungen besser – und schneller – zu reagieren. In Berlin dauerte es Jahre, bis die Drohungen gegen die jüdische Schülerin Folgen hatten.
Informationen nicht versickern lassen, auf Vorfälle prompt reagieren und im Extremfall auch mal einen Schulverweis aussprechen – das alles könnte künftig gegen religiöses Mobbing helfen. Die Kleinsten aber sollte man ausnehmen und in Ruhe spielen lassen.