Doch man kann eine Atmosphäre schaffen, die Spitzenleistungen fördert. Hier hat die Zurückhaltung bei den Medaillenzielen und der Fokus auf den fairen Sport durch DOSB-Präsident Alfons Hörmann genauso eine Rolle gespielt wie der Traumstart der Biathleten und Skispringer, die auch andere, zuvor formschwache Sportler beflügelt haben. „Das zieht die anderen mit“, meinte auch Kombinierer Eric Frenzel, nachdem er seinen Olympiasieg von 2014 trotz schwacher Weltcup-Saison wiederholt hat.
Die Biathleten schossen und liefen sich, angeführt von Laura Dahlmeier, in einen Rausch. Binnen vier Jahren haben sich vor allem die zuletzt medaillenlos gebliebenen Damen rehabilitiert. Auch die Skispringer schwimmen nach dem ersten Einzelgold von der Normalschanze seit 1994 durch Andreas Wellinger auf der Euphoriewelle. Und wenn mal etwas schiefging, wie bei den Rodlern Felix Loch und Tatjana Hüfner, dann war immer noch eine starke zweite Reihe zur Stelle. Einzig die Skirennläufer sind zweimal haarscharf an der Medaille und damit bislang der Erfüllung ihrer Ziele vorbeigeschrammt.
Das deutsche Team scheint, sich bestens auf die Besonderheiten in Pyeongchang vorbereitet zu haben. Der Schlaf- und Biorhythmus wurde mittels Lichtbrille und Co. an die teils extrem späten Startzeiten angepasst, die Performance in den Sprungdisziplinen an der baugleichen Oberstdorfer Schanze optimiert. Rodler und Bobfahrer forschten vor Ort am optimalen Kufenschliff. Und zuallerletzt: Die Athleten stehen diesmal keinem russischen Dopingsystem gegenüber. Trotz all dieser positiven Faktoren ist nun auch die zweite Wettkampfhälfte kein Selbstläufer. Noch weiß niemand, ob die Bobfahrer wirklich die schnellsten Schlitten haben, Eisschnellläufer Nico Ihle seine gute Form halten konnte und ob es im Biathlon weiter Medaillen regnet.
Die deutschen Sportler müssen auch mit ihren Kräften haushalten, sonst kann der Schwung der goldenen Tage ganz schnell verpuffen. „Wir sind seit Sotschi alle gereift und haben aus unseren Fehlern gelernt“, stellte Eric Frenzel nach seinem Olympiasieg am Mittwoch fest – obwohl er in Russland für seine Erkältung nach der Goldmedaille von der Normalschanze wohl wenig konnte. Dennoch brach Team Deutschland vor allem in den letzten Wettkampftagen auseinander. Diesmal jedoch scheint, die Mannschaft von 2018 auch dafür besser gerüstet zu sein als noch vor vier Jahren.