Streit zwischen rechtskonservativen und rechtsnationalen Kräften. Kampf um die vorderen Positionen. Doch dann feierten die Delegierten – welch‘ Überraschung – Einigkeit statt Zwietracht. Strategisch geschickt wollten die Chefs verdeutlichen: Wir haben uns in Richtung einer bürgerlich-konservativen Kraft gewandelt. Der "gärige Haufen" ist zusammengewachsen. Doch das ist er mitnichten.
Wie zersplittert die Partei ist und wie stark die rechtsnationalen Kräfte um "Flügel"-Frontmann Höcke wirken, zeigt die Zusammensetzung des Vorstands. Sicherlich scheint es ein Erfolg für die Rechtskonservativen um Meuthen zu sein, dass die "Flügel"-Anhängerin Nicole Höchst wenig Chancen gegen den Baden-Württemberger hatte. Doch das ist auf die funktionierenden Absprachen im Vorfeld zurückzuführen. Schon die Wahl des zweiten Vorsitzenden Tino Chrupalla ist ein Zugeständnis an die vom Verfassungsschutz als "Verdachtsfall" geführte Gruppierung. Auch bei der Wahl der stellvertretenden Bundessprecher fielen die gemäßigten Kräfte durch. So wurden Stephan Brandner, der seinen Vorsitz beim Rechtsausschuss abgeben musste und immer wieder mit scharfer Rhetorik auffällt, sowie die wenig gemäßigte Beatrix von Storch in den Vorstand gewählt.
Sicherlich will sich die Partei ein bürgerliches Image verpassen, das gelingt ihr zum Teil auch. Doch die rechtsradikalen Kräfte haben auf dem Parteitag ihren Machtanspruch geltend gemacht. Nur, weil man sie nicht hörte, heißt es nicht, dass sie verschwunden sind.