Sein Vorgehen, die Kriegsmarine zur Begleitung des türkischen Erdgas-Bohrschiffes in griechische Gewässer mitzuschicken, war bereits ein Affront. Seine jüngste Äußerung, sein Land sei im Kampf bereit, zum Märtyrer zu werden, ist sogar eine unverhohlene Drohung mit Krieg. Und zwar gegen den Nato-Partner Griechenland.
Dennoch greift diese Sicht zu kurz. Denn auch Griechenland, das die Erdgasvorkommen ebenfalls ausbeuten möchte, ist nicht unschuldig an der Eskalation. Es hat – ähnlich wie die Türkei mit Libyen – ein Abkommen über Wirtschafts­­­zonen im Meer mit Ägypten abgeschlossen, beide überschneiden sich. Griechenland hat auch schon das Militär bemüht.
Der Streit um die riesigen Meeresflächen, die Griechenland wegen seiner vielen Inseln für sich beansprucht, ist nicht neu. Aber er flammt durch die großen Erdgasvorkommen wieder auf, an denen auch die Türkei beteiligt werden möchte. Letztlich muss den beiden langjährigen Feinden klar sein, dass keine Seite allein die Vorkommen ausbeuten kann. Das Problem ist das Fehlen eines einflussreichen Vermittlers. Versuche der Bundesregierung haben den Konflikt nur kurzzeitig beruhigt, Frankreich zündelt mit der Entsendung von Marineschiffen auf Seiten Athens selbst. Und die EU ist befangen.
Ein Krieg zwischen Nato-Partnern wäre eine Katastrophe. Aber eine Rolle als Friedensvermittler würde für das Militärbündnis fast eine Revolution bedeuten. Eine unwahrscheinliche.