Und doch, es fehlt etwas. Viele Büromenschen stellen nach diesen langen Wochen außerhalb des Büros fest, dass sie die Käfighaltung am Arbeitsplatz doch ziemlich vermissen. Es fehlen die netten Gespräche in der Kaffee­küche, das Lachen mit den Kollegen, der kurze Flirt im Aufzug – und so schlimm waren die dreckigen Kaffeetassen und die Papierberge vom Herrn Z dann auch nicht.
Auf den Job selbst bezogen geht zudem etwas anderes verloren, das einen großen Teil des Arbeitsspaßes ausmacht: die Spontanität. Das kreative Chaos in der Gruppe, das laute Nachdenken in Teams, das wilde Brainstorming ist unmöglich, wenn die Technik nur einen reden lässt und alle anderen rätseln, was gemeint ist, weil jedes dritte Wort ausfällt.
Alles in allem aber wird auch nach Corona die Erkenntnis bleiben, dass Homeoffice gelingen kann und zwar gar nicht mal so schlecht. Politisch gesehen liegt es daher nahe, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) diese Erkenntnis in einen Gesetzestext gießen und die damit verbundenen Fortschritte technologischer (stärkere Konzentration auf digitale Ansätze) und ökologischer Natur (weniger Dienstreisen, weniger Pendelverkehr) zementieren möchte. Zumal der Corona-Feldversuch die positive Meinung vom Homeoffice bestätigt hat, die seine Vorgängerin Andrea Nahles ins Arbeitsministerium getragen hat.
Doch ein "Recht auf Homeoffice" könnte den gleichen Nachteil mit sich bringen wie die Arbeit im Homeoffice: Die Spontanität geht verloren. Denn wenn sich der Arbeitsplatz eines Mitarbeiters regelhaft ins eigene Zuhause verlagert, wird das legere Tippen am Küchentisch oder auf dem Sofa alsbald ein Ende haben – denn natürlich muss der neue Arbeitsplatz im eigenen Heim dann auch den Vorschriften entsprechen. Die Tische müssen die richtige Höhe haben, die Stühle müssen ergonomisch gestaltet und die Computerbildschirme im Winkel von 90 Grad zum nächsten Fenster aufgestellt sein.
Der Arbeitgeber müsste womöglich einen komplett neuen, einen zweiten Arbeitsplatz einrichten. Dazu werden die wenigsten bereit sein – und so könnte das paradoxe Ergebnis der Gesetzesinitiative sein, dass es weniger Homeoffice geben wird als ohne.