Baumängel, Planungsfehler und Sanierungsarbeiten vor der Eröffnung – die Liste der Unzulänglichkeiten, die die Eröffnung des Flughafens BER um neun Jahre verzögert haben, ist lang. Da meint der Laie, dass bei so viel "zusätzlicher" Zeit doch zumindest alle äußeren Rahmenbedingungen stimmen müssten. Hatten doch alle Akteure jahrelang Zeit, wichtige infrastrukturelle Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Wenn also zehn Wochen vor der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens die Betreiber Defizite in der Anbindung aufzeigen und weitere ICE-Verbindungen fordern, fragen wir uns: Warum erst jetzt?  Das Straßen- und Schienennetz hätte doch eigentlich vorbildlich ausgebaut sein können!
Es gibt Faktoren, die nicht berechenbar waren. Dass sich Tesla in Grünheide ansiedeln würde und dadurch mit mehr Passagieren und Verkehr zu rechnen ist, konnte vor neun Jahren niemand ahnen. Auch dass eine Pandemie das öffentliche Leben einschränken würde – damit war nicht zu rechnen. Der BER startet auf Sparflamme und das scheint vielen ganz Recht zu sein. Offensichtliche Mängel bleiben so möglicherweise verborgen. Wenn die Vorgänger des jetzigen Flughafenchefs die vielen Defizite rechtzeitig benannt hätten, müsste jetzt niemand Nachbesserungen fordern. Und das ist das eigentliche Armutszeugnis.