Inzwischen gibt sich Lindner geläutert, aber auch seine Kritik an der Pandemiepolitik der Bundespolitik hörte sich in vielen Ohren zu schrill an. In einer Zeit, in der eine starke freiheitliche Stimme so wichtig wie selten zuvor wäre, findet die FDP den Ton nicht. Teuteberg vermochte es in dieser Situation nicht, eigene Akzente zu setzen. Insofern ist der Vorwurf der Zaghaftigkeit sicherlich berechtigt. Dennoch wirkt sie ein wenig wie ein Bauernopfer im Kampf der Parteispitze um die politische Zukunft.
Nun wollen sich die Liberalen wieder primär wirtschaftlichen Themen zuwenden. Die Personalie Wissing soll ihnen dafür den nötigen Auftrieb geben. Im kommenden Jahr stehen neben der Bundestagswahl unter anderem Wahlen in Rheinland-Pfalz an. Sicherlich kein Zufall, dass Wissing gerade dort Wirtschaftsminister ist. Wie vor der Bundestagswahl 2017 hofft die FDP auf Rückenwind durch gute Ergebnisse in den Ländern. Dass Wissing auch noch Teil einer Ampelkoalition ist, zeigt, dass die FDP nicht nur zur CDU anschlussfähig sein möchte. Das ist politisch klug: Die FDP könnte so wieder zum Zünglein an der Waage möglicher Koalitionen werden.