Noch vor der Premiere signiert Grafikerin Katrin Hellert-Knappe das von ihr illustrierte Buch über jene Orchestermäuse, deren Erlebnisse später auf der Bühne zu erleben sein werden. Es geht, mit beigefügter CD, weg wie warme Semmeln. Doch kauft, wer es erwirbt, womöglich die Katze im Sack? Erst später auf der Bühne wird sich's zeigen, ob ja oder nein. Allerdings spielen Katzen dabei eine sehr aktionsantreibende Rolle.
Die Geschichte um sie, Mäuse und Musik hat sich Howard Griffiths, der Chefdirigent des Staatsorchesters, ausgedacht. Pamela Dürr hat daraus ein spannendes Libretto geformt, der schweizerische Komponist Fabian Künzli schwungvolle, innige und musicalschmissige Melodien erfunden. Dass aus all dem ein buntes, kindgerechtes und fantasieanregendes Bühnenspektakel entstanden ist, geht wiederum auf das Konto der Regisseurin Be van Vark, ihrer Mitarbeiter Bärbel Jahn (Kostüme) und Alexander Papadopulos (Bühnenbild/Videoinstallation).
Spartanisch ausgestattet ist die Szene, dennoch strahlt sie große Wirkung aus. Ein aus vielen Holzdreiecken bestehender und mit weißem Stoff bespannter Bühnenrahmen gibt eine vorzügliche Projektionsfläche für pickende Hühner, Fassaden von Stallungen und dergleichen architektonischer Accessoires ab. Da wissen Groß und Klein doch sofort, wo das Geschehen angesiedelt ist: auf einem Bauernhof.
Dort gibt es neben vielen Mäusen auch Katzen en masse. Doch die sind träge geworden. Statt Mäuse zu jagen, räkeln sie sich, kuscheln, erzeugen mit Kochlöffeln und Topfdeckeln eine mitreißende Katzenmusik, zu der sie gekonnt und ungebremst singen und tanzen. Das reinste Vergnügen - für die Agierenden genauso wie für die Zuschauer.
Doch dann verirrt sich die käseverfressene Mäusedame Molly (Barbara Colceriu) vorwitzig in die Katzenparty. Und in den Tigern im Streichelformat erwacht der Jagdinstinkt: "Lautlos, erbarmungslos und restlos" heißt die Devise von Dorfkater Freddy (Kofi Wahlen). Mit Sack und Pack flieht die Mäuseschar mit Chef Boris (Dennis Ortmann) an der Spitze vom Hof, um ein neues Zuhause mit Speck, Käse und Brot zu finden. Zu den Klängen der Mäuseband geht die Truppe singmarschierend auf Bühne und rechtem Seitenrang, schließlich durch den Zuschauerraum ab.
Erneut großes Staunen über die pantomimischen, tänzerischen, gesanglichen Fähigkeiten der Spieltruppe, ihre grenzenlose Begeisterung, hinreißende Bewegungslust und künstlerische Gestaltungskraft gibt es bei der Rast im Wald. Dort werden die Mäuse von bösen Waldgeistern mit wurmgleichen Fangarmen umzingelt. Erst mäusischer Chorgesang und Mollys letztes Käsestück können die Furien besänftigen, dann gibt ihr Boss (Torsten Gesser) den Weg frei.
In einem Schloss finden die Flüchtlinge schließlich ihr neues Zuhause. Doch dort residiert ein Orchester (welches wohl?), das ihnen mit lautem und falschem Spiel die Ruhe stört. Also beschließen sie, den Musikern die Notenblätter zu mausen. Diese begeben sich, videodokumentiert, auf Verfolgungsjagd, stellen die Übeltäter. Und werden von ihnen nun um Hilfe gebeten gegen die sie verfolgenden Katzen.
Der Streit zwischen allen Parteien entbrennt. Doch der Maestro weiß Rat: "Was ihr braucht, ist ein einheitlicher Rhythmus!" Gesagt getan. Die Kontrahenten versöhnen sich, tanzen und singen das große Hurra-Lied.
Schleichen wir also nicht wie die Katze um den heißen Brei, sondern resümieren: Es war ein toller Nachmittag mit den Orchestermäusen!
Maus trifft Musik: Die Mäusechefs Boris (Dennis Ortmann, Mitte) und Molly (Barbara Colceriu, r.) werden vom Chefdirigenten des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, Howard Griffiths (l.), in Schach gehalten.Foto: Tobias Tanzyna
Education-Projekt "Die Orchestermäuse" mit mehr als 300 Kindern feiert umjubelte Uraufführung
Spartanisch ausgestattete Szene strahlt dennoch große Wirkung aus
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