An diesem Sonntag wird die Sonderausstellung eröffnet. Viele der Exponate, die man im Dok-Zentrum findet, waren einst Gegenstände des DDR-Alltags. „Das sind vor allem Dinge aus dem täglichen Gebrauch, die den Willen zeigen, zu gestalten“, erklärt Ludwig. Welche Dinge das sind, maßt er sich nicht an, selbst zu entscheiden. „Dabei verlassen wir uns auf eine traditionsreiche Forschungsgeschichte.“ Bei einem hellblauen Plastikeimer mit weißem Griff würde man nicht auf Anhieb eine gestalterische Absicht vermuten. Dennoch stecke sie auch bei diesem Exponat dahinter.
Ebenso wie bei den Aluminium-Eisbechern von Erich John – der auch die Weltzeituhr am Alexanderplatz gestaltete – und den Kochtöpfen von Klaus Musinowski. „Diese Töpfe hat man zu der Zeit sogar in jeder dritten Studenten-WG im Westen gefunden“, weiß Historiker Andreas Ludwig. Das Interesse an der ostdeutschen Designerware sei dort ohnehin sehr groß gewesen. „Für Leute, die Gefallen an ausgefallenen Formen hatten, war es schwierig, in der westdeutschen Warenwelt so etwas zu finden, da ging es eher unter“, stellt der Museumsleiter fest. „Aber es sind auch einige Impulse über die Grenze gegangen. Es gab zum Beispiel eine 
ostdeutsche Designzeitschrift, ‚form + zweck‘, die war im Westen sehr begehrt.“
Entworfen wurden die meisten Produkte von den sogenannten Formgestaltern für Industrieprodukte – ein wichtiger Beruf in der DDR. Nach ihrer Ausbildung gingen die jungen Leute in die Industrie und an Institute, um Produkte zu designen, die funktional und zugleich möglichst langlebig sein sollten. „Diese Entwicklung begann Mitte der 50er-Jahre. Beim SED-Parteitag 1958 wurde beschlossen, in den folgenden Jahren sehr viel Geld in die Entwicklung von Konsumgütern zu stecken“, sagt Andreas Ludwig. In der DDR sollte dieser Bereich besser organisiert sein als in der Bundesrepublik – um die Überlegenheit zu demonstrieren. „Der Konsum wurde zu einem politischen Ziel, das muss man sich mal vorstellen.“ Das Design sollte aber nicht nur dem Kaufanreiz dienen. Es sollte helfen, eine „sozialistische Lebensweise“ zu entwickeln. „Funktionalität und Langlebigkeit der Produkte standen im Vordergrund. Jedes Produkt wurde genauestens daraufhin geprüft“, erklärt Ludwig.
In der Ausstellung finden sich aber nicht nur die Exponate selbst. Auch Fotografien von Designerstücken werden ausgestellt. „Die Alltagsprodukte wurden hochästhetisch fotografiert“, erzählt der Museumsleiter. „Das Teegeschirr aus Jenaer Glas zum Beispiel. Dadurch, dass Designer es entwickelt hatten, wurde es zu einem Kunstobjekt.“
„Alltagsdinge. Formgestaltung in der DDR“, Eröffnung am Sonntag, 11 Uhr, Dokumentationszent-
rum Eisenhüttenstadt, Erich-Weinert-Allee 3, Tel. 03364 417355