Die ausgelesenen Nachwuchsliteraten bleiben unter sich. „Unabsichtlich“, findet Antje Samoray, die vor ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Seminarleiterin, selbst 18 Mal an einem solchen Literaturtreffen teilnahm und den Wettbewerb im Winter 2004 gewann. In gebildeten Elternhäusern sei der Zugang zu Literatur einfacher, mutmaßt sie. „Ich lese viel, also schreibe ich auch viel.“ Der Satz stamme nicht von ihr, sondern von einer Teilnehmerin. Doch Antje Samoray, die Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert, glaubt, dass in ihm viel Wahrheit liegt.
Die Literaturwochen werden vom Verein „Schreibende Schüler“ organisiert. Dieser veranstaltet auch monatliche Treffen in Berlin, Bernau oder Frankfurt an der Oder. Sie heißen „Literaturzirkel“. Es sind keine Massenveranstaltungen.
Im Schloss bilden vier bis sechs junge Autoren eine Gruppe. Sieben Seminarleiter betreuen die Zehn- bis Achtzehnjährigen. Sie geben dem Nachwuchs Ratschläge, organisieren Schreibspiele und raten immer wieder zu gegenseitiger Kritik. „Wir versuchen ihnen Streitkultur im besten Sinne des Wortes zu vermitteln“, erklärt Seminarleiterin Ulrike Erdmann. Jugend debattiert, statt Jugend forscht. Und am Ende wird ein Sieger gekürt.
Die Autoren selbst wünschen sich noch mehr Muße für ihre Texte. „Schreibzeit ist eine wertvolle Sache“, resümiert die Berlinerin Margarita Iov. Ihre Gruppe nickt. Nicht gewinnen, sondern sich selbst zu übertreffen, geben sie als Ziel aus.
„Viele nutzen das Schreiben als Selbsttherapie“, glaubt Hannes Pogorzelski. Der Kunstpädagogikstudent hatte den Wettbewerb im Winter 2007 gewonnen, heute ist auch er Seminarleiter. Talent verpflichtet. Noch immer werde über Freundschaft geschrieben, aber die Jugend wage auch Tabubrüche. Mädchen schreiben über Magersucht, Jungen entdecken ihre Sexualität. „Wir achten darauf, dass sie ihre authentische Sprache bewahren“, sagt Hannes Pogorzelski. Denn der Austausch untereinander führe dazu, dass sich gerade die Älteren gegenseitig beeinflussen. Ihre Texte zeugen von hoher Qualität. Aber sie ähneln einander auch stilistisch. Das verwundert nicht. Sie stammen aus derselben Schule.
Im Schloss Trebnitz,Platz der Jugend 6, lesen die Autoren am Freitag, um 19 Uhr, aus ihren Texten. Vor Ort wird ein Sieger gekürt. Der Eintritt ist kostenlos.