Um Kohle dreht sich alles – nicht nur in der Moderation von Regisseur Axel Ranisch, der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der als diesjähriger Schirmherr die Eröffnungsrede hielt, ganz unverhohlen um den Geldsack für das Festival anging. Auch der Festivaltrailer dreht sich in diesem Jahr um den Strukturwandel in der Lausitz, weg von der Kohle hin zu blühenden Heidelandschaften. Matthias Platzeck bleibt es überlassen, deutliche Worte zu finden dafür, dass bei allem Stolz darüber, dass das Cottbuser Filmfest inzwischen in ganz Europa wahrgenommen werde, vieles nicht so gelaufen ist wie erhofft. "Vor dreißig Jahren war die Hoffnung größer", so der ehemalige Landesvater und heutige Kuratoriumsvorsitzende des Festivals. Der Befund sei nicht so toll, wie sie sich das gewünscht hätten. Und er verstehe, dass die Menschen ungehalten, in Teilen auch bösartig reagierten.
Kino als Verständigungsmotor
Umso größer sei die Hoffnung, dass das Kino als Verständigungsmotor schlechthin wirke, indem es Sichtweisen und Lebenswelten nahe bringe, die auf den ersten Blick fremd wirken. Gerade das Cottbuser Festival, das traditionell den mittel- und osteuropäischen Film in den Blick nimmt und sich in diesem Jahr auch auf Nachbarländer wie Finnland, Griechenland oder Türkei erweitert, war schon immer Meister darin, Gespräche über den Tellerrand hinweg zu ermöglichen.
Das beweist auch der Eröffnungsfilm "Smuggling Hendrix" von Marios Piperides, der naheliegenderweise eine durch eine Grenze geteilte Stadt ins Zentrum rückt. Aber nicht Berlin, sondern das zypriotische Nikosia ist Schauplatz der schwarzen Komödie um einen kleinen Hund, der vom griechischen in den türkischen Teil entlaufen ist und nun nicht wieder zurück eingeführt werden darf. Was – neben einigen Längen – immerhin ein wunderbares Hamam-Gespräch darüber beschert, wie verschieden im Niederländischen, Türkischen oder Griechischen Hundebellen beschreiben wird. Und das utopische Schlussbild eines fröhlichen Hundes, der alle Grenzanlagen unterläuft.