„28.000“ hat Violeta Vollmer-Dundulyte ihre Bleistiftzeichnungen genannt. Die in Königs Wusterhausen lebende Malerin und Grafikerin schärft mit ihnen unseren Blick fürs Detail und die Schönheit, die sich aus der Summe der einzelnen Teile ergibt. Die Draufsicht, führt sie uns vor Augen, ist immer anders als die Großaufnahme. Besser also zweimal hinschauen!
Im Rahmen der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung kann man die eindrucksvolle Arbeit derzeit im Schloss Neuhardenberg betrachten. Eine von insgesamt knapp 70 ausgewählten.
Den ersten Blick zieht dabei traditionell der Ehrenpreisträger des Jahres auf sich. Wer die Ausstellungshalle betritt, trifft so in diesem Jahr auf Masken. Wolfgang Utzt aus Sydowswiese hat sie angefertigt, während seiner Zeit als Chefmaskenbildner am Deutschen Theater in Berlin. Gesichter aus Fell, Köpfe mit Turmfrisuren, zähnefletschende Wölfe. Mal gruselig, mal übertrieben, mal ganz authentisch erinnern sie nun an Aufführungen wie „Der Kaufmann von Venedig“, „Hamletmaschine“ und „Egmont“. Dazu geben Zeichnungen einen Eindruck von Utzts neuer Leidenschaft: „Das Gürteltier kam nachts um vier“ heißt ein Kinderbuch, das er jüngst veröffentlicht hat, mit satirischen Versen und ebensolchen Bildern.
Gleich nebenan wird es filigran. Dorit Trebeljahr, in diesem Jahr mit dem Kunstpreis für Plastik ausgezeichnet, zeigt neben ihrer geehrten Serie „Ich als Clematis: Rouge Cardinal 1–3“ unter anderem ein Objekt aus der Serie „Korallenhaut“. Für das organisch anmutende, fast lebendig wirkende Gebilde haben ihr wieder einmal Steck- und Akupunkturnadeln als Materialgedient.
Einen großen Schritt wagt die Figur, die Gudrun Kühne, eine der Preisträgerinnen vergangener Jahre, präsentiert. „Zweitausendundachtzehn“ ist der Titel der Bronze: Eine junge Frau, die, obwohl sie sich mit ihren Händen Augen, Mund und Nase zuhält, forsch nach vorn schreitet.
Unwillkürlich berühren möchte man Axel Anklams Skulptur „Melancholia“, ein wellenähnliches Objekt aus Carbonfaser und Edelstahl. Ulla Walter, 2004 erste Hauptpreisträgerin, präsentiert sich mit „Freidenker, mit archimedischem Punkt“ dieses Mal mit einer Plastik aus Beton und Plexiglas. Ihr in weiten Teilen offener und somit durchlässiger Kopf lässt Raum, Ideen gleichsam aufzunehmen und freizugeben.
Zum ersten Mal dabei sind in diesem Jahr die Fotografen – ihnen hat man, nicht ganz geglückt, die Orangerie und das Foyer vor dem Veranstaltungssaal überlassen, wo sie mit dem Spiegeleffekt der großen Fenster zu kämpfen haben. Ausschnitte aus Göran Gnaudschuns Serie „Are You Happy?“ sind dort unter anderem zu sehen, die während seines Aufenthaltes als Stipendiat in der Villa Massimo in Rom entstanden sind. Frauen und Männer von der Straße, die mit offenem Blick in die Kamera schauen. Der Jury war das den Kunstpreis in der Kategorie Fotografie wert.
Bis 2.9., Di–So 10–18 Uhr, Schloss Neuhardenberg. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Das Buch „Das Gürteltier kam nachts um vier“ von Wolfgang Utzt ist erhältlich im MOZ-Shop, www.mozde/shop

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