„Ich bin meinem Lehrer Franz Giese an der Grundschule in Schönfeld, Kreis Perleberg, sehr dankbar für seine strengen, aber wunderbaren Lehrmethoden, zum Beispiel einem ‚Zauberkasten‘, aus dem die einzelnen Buchstaben hervorsprangen, die sich Erstklässlern auf diese Weise schnell einprägten. Und für seine uns übermittelte Kenntnis um die Prignitz, der Region, der ich mich bis heute eng verbunden fühle“, bekennt die 1948 geborene Malerin Christa Panzner.
Auch für seine Anregungen für ihren späteren Berufsweg sei er ihr in dankbarer Erinnerung. Der religiös im Dorf Wüsten-Buchholz bei Perleberg aufgewachsenen Bauerntochter war es in der DDR verwehrt, das Abitur abzulegen, und so schien es, dass ihr Interesse für Kunst unerfüllt bleiben müsste. Lehrer Giese wies ihr einen Weg, dieses Ziel dennoch zu erreichen. „Das war prägend für mein Leben, neben dem liebevollen Verständnis meiner Eltern und Großeltern und dem Zauber, den diese entlegene ländliche Umgebung für mich hatte und immer noch hat.“

An der Fachhochschule lernt sie ihren späteren Mann kennen

An der Potsdamer Fachschule für Werbung und Gestaltung, wo auch ihr späterer Mann Peter zur gleichen Zeit sein Studium begann, erwarb Christa Panzner die Hochschulreife, Bedingung für die Ausbildung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. „Dort hatten wir ein sehr freies Leben durch großzügige Lehrer. Sehr verehrt von allen Jahrgängen war der Zeichenlehrer und Maler Paul August.“
Lebhaft erinnert sich Christa Panzner daran, wie durch die Initiative des Malers und Lehrers Wolfgang Thiel an der Berliner Kunsthochschule bereits zu DDR-Zeiten internationale Pleinairs durchgeführt wurden, „woran auch wir vor und nach der Wende einige Male teilnahmen. Diese Begegnungen führten zu Freundschaften mit Künstlern anderer Länder, die bis heute andauern. In Weißensee vermittelte uns zudem der Kunsthistoriker Hans Liebau Weltkunst aller Epochen, die wir nicht aufsuchen konnten. Er traf dabei entsprechende Bewertungen, Zeitbezüge und Vergleiche für ein uns prägendes, umfängliches Verständnis für alle Bereiche der Bildenden Kunst, auch für die Qualität der Kunst der DDR.“
Kurz vor dem Ende der DDR siedelten sich Christa Panzner und ihre Familie in Kleinmachnow an. Das ihnen nach langer Wartezeit zugewiesene Haus war mehr Ruine als bewohnbar. „Das Wasser lief vom ramponierten Dach bis in den Keller, überall hatte sich Schimmel gebildet“, erinnert sie sich. Bei der Materialnot und dem Mangel an Handwerkern in der DDR bedeutete das ein Jahr harter Arbeit für das junge Künstlerpaar. Gleichwohl konnten die Panzners die Früchte ihrer Mühen nicht genießen. „Wir standen noch auf den Leitern für den Außenanstrich, als uns die Restitutionsansprüche des Westbesitzers erreichten.“

Neustart in Oehna

Inzwischen hatten Christa und Peter Panzner mit Kollegen die Kunstschule Potsdam für Malerei und Grafik gegründet. Einen Verein, der sich der Förderung von Kindern und Jugendlichen widmet. „Ein glücklicher Zufall führte uns nach Oehna. Wir begannen auch hier das damals leerstehende, ebenfalls marode ehemalige Schulgebäude für uns herzurichten. Verlockend war die Möglichkeit, einen großen Garten anzulegen.“ Später kam noch das kleinste Haus in dem nahe Jüterbog gelegenen Ort hinzu, „wo ich neben der erfolgreichen Arbeit der Potsdamer Kunstschule für die Kinder aus der Umgebung Mal- und Zeichenkurse anbot“. 1994 begannen Panzners in Oehna in jährlicher Folge mit den Ferienprojekten der Kunstschule. Sie sind zu einem Höhepunkt im Gemeindeleben geworden.
„Der Ortswechsel war ein Einschnitt im Leben für uns und unsere Kinder. Vor allem für unsere eigentliche künstlerische Arbeit. Das verlangte nun eine stringente Zeiteinteilung, um weiterhin am Ball zu bleiben“, wie Christa Panzner es nennt. Weiterhin regelmäßig Zeit für eigene Ausstellungen in der Region zu finden wie in Luckenwalde, Wünsdorf, Glashütte, Jüterbog. Oder in Potsdam, Berlin und an anderen Orten Ausstellungen von Kollegen zu besuchen sowie auch an Kunstauktionen teilnehmen zu können. Dass den Panzners das gelungen ist, beweisen zahlreiche ihrer Werke in prominenten Sammlungen neben Deutschland in Dänemark, Frankreich, Namibia, Österreich, Russland, der Schweiz und den USA.
Die 23 Jahre kunstpädagogischer Tätigkeit für die Kunstschule Potsdam haben Christa Panzner Kraft und Zeit gekostet, die bisweilen für die eigene Kunst gefehlt haben mag. Das aber will die Künstlerin nicht aufrechnen, denn „neben den Strapazen ergaben sich immer wieder Impulse für unsere künstlerische Arbeit, und es bildeten sich anhaltende Freundschaften“. Dazu gehören etliche ehemalige Schüler, die inzwischen Kunst studiert haben und zu Kollegen geworden sind, wie Christa Panzner mit berechtigtem Stolz erwähnt.

Kunstpreis für das Bild „Erschüttertes Kind“

Von den drei Söhnen widmet sich Conrad Panzner nach einem Studium der Landschaftsarchitektur in Dresden gleichfalls der Malerei und Grafik, er hat auch den Staffelstab an der Potsdamer Kunstschule von seinen Eltern übernommen. Nachdem sein Vater Peter 2016 mit dem Brandenburgischen Kunstpreis für Grafik ausgezeichnet wurde, brachte Sohn Conrad 2018 den Förderpreis des Kulturministeriums des Landes Brandenburg nach Hause. Jetzt wird Christa Panzner für ihr Bild „Erschüttertes Kind“ mit dem Kunstpreis für Malerei geehrt. „Für mich ist es ein metaphorisches Bild. Es geht dabei um Erschütterungen, die in den letzten Jahren durch die ökologischen Probleme, die Coronakrise, die Unruheherde, Kriege und Krisen in der Welt auf uns gekommen sind. Die gehen von den Erwachsenen auf die Kinder über, die ja eigentlich unsere Hoffnung verkörpern. Ihre Not versuche ich in der Gestik und dem Gesichtsausdruck des Mädchens zu zeigen. Ein Signal für das Schützenswerte in den Familien.“
Signal für das Schützenswerte in den Familien: Christa Panzners Gemälde "Erschüttertes Kind" (2022, Acryl auf Baumwolle, Ausschnitt) spiegelt die Nöte der Gegenwart.
Signal für das Schützenswerte in den Familien: Christa Panzners Gemälde „Erschüttertes Kind“ (2022, Acryl auf Baumwolle, Ausschnitt) spiegelt die Nöte der Gegenwart.
© Foto: Christa Panzner/VG Bild-Kunst, Bonn 2023
Im vielfältigen Werk der in der einst in der Prignitz aufgebrochenen und längst im Fläming heimisch gewordenen Malerin finden sich Stillleben, deutliche Bezüge zur Natur („Gartenbilder“) und eben jenes Gegensätzliche, die Reibungslinien, zwischen denen sich Christa Panzner in Malerei und Grafik bewegt. Und immer wieder Bildnisse von Kindern. Gerade entsteht eines mit dem vielsagenden Arbeitstitel „Ernst und Spiel“. „Ich versuche der Angst vor den Folgen unbeherrschbarer gesellschaftlicher und ökologischer Prozesse durch ‚Vereinfachungen‘, nicht durch komplizierte Darstellungsweisen, metaphorische Bedeutung zu geben“, beschreibt Christa Panzner ihr Gestaltungsprinzip. Daneben hat sie erneut die Arbeit an ihrem 1985 entstandenen Grafik-Zyklus „Ein deutscher Kreuzzug“ aufgenommen, in dem sie sich mit Themen wie Gewaltherrschaft, Kriege und deren Folgen beschäftigt. Diese Vorgänge nennt die Künstlerin „wieder erschreckend hochaktuell“.

Biografie

Christa Panzner lebt und arbeitet in Oehna bei Jüterbog; Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler:innen Brandenburg. 1948 in Perleberg geboren, 1967–1970 Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung  in Potsdam, 1972–1977 Studium der Malerei und der Grafik an der Kunsthochschule Berlin; Diplom. Seit 1977 freischaffend, 1991 Mitgründung der Kunstschule Potsdam, 1991–2013 Lehrauftrag im Fachbereich Malerei an der Kunstschule Potsdam; Organisation und Leitung regionaler und internationaler Projekte. Seit 2008 Dozentin für Malerei und Grafik an der Kreismusikschule Teltow-Fläming.
Preise und Stipendien: 1975 Stipendium der Kunsthochschule Berlin für einen Arbeitsaufenthalt in Szypry/Polen, 2023 Ehrenpreis des Landkreises Teltow-Fläming  
 Kunst im öffentlichen Raum: 1999 Bergholz-Rehbrücke, Kindertagesstätte Anne Frank, Figurengruppe Katzenmusik (mit Wilfried Statt)