Erich Sauer, Jahrgang 1931, lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Frankenthal in der Pfalz und leitet seit acht Jahren die Bildhauer-Sommerakademie in Strausberg. Sein Material war seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit die Bronze.
Seit 1964 entstanden in seiner eigenen Gießerei viele Dutzend Skulpturen, von denen er jedes Jahr einige mit nach Strausberg bringt. 14 auf Sockeln und eine überlebensgroße "Multiple Persönlichkeit" (1996) sind es in diesem Jahr. Er lege darauf Wert, insbesondere seinen Seminaristen die Möglichkeiten des Bronzegusses zu zeigen, erläutert Sauer seine Auswahl. Diesbezüglich markiere beispielsweise die "Apokalypse" (1973) die Grenze des technisch Machbaren.
Sauer mahnt in seinen Arbeiten immer wieder gesellschaftliche Mangelzustände an, die er über die zeichenhafte Darstellung menschlicher Körper zum Ausdruck bringt. Einzeln oder in Gruppen, zumeist kopflos und mitunter bis auf den Rumpf zurechtgestutzt, werden sie als Träger der Botschaft Mittel zum Zweck. Die Körper drehen sich im "Strudel" (1974), suchen im Schulterschluss Schutz vor "Immission" (1980) oder recken als einzelner "Politeiferer" (2001) die einzige Wahrheit verkündend den Arm zum Himmel.
Ganz anders bei Erika Stürmer-Alex, Jahrgang 1938, deren Ausstellung zwei Stunden später im EWE-Kunstparkhaus eröffnet wurde. Das Material für ihre Plastiken ist alles andere als kostbar. Die Styroporformen, aus denen sich "Opernsängerin" (2005), "Zeusberg" (1990) oder "Sanfter Engel" (2007) zusammensetzen, hatten ihren Zweck als Schutzpolster für technische Geräte erfüllt und waren der gelben Tonne versprochen, bevor sie unter den Händen der Künstlerin in einen neuen, funktionsfreien Aggregatzustand hinübergeführt wurden. Ob auch der Betrachter ihre "Schoenheit" (2006) entdeckt? Im Kunstparkhaus könnte er über sie stolpern, ohne sie zu bemerken. Mitten im Raum sind die zehn Buchstaben des Wortes auf einen Sockel geschichtet. Das S liegt oben, den Rest muss der Betrachter selbst erkennen. Daneben fühlen sich in gläsernen Vitrinen die kleineren Collageplastiken aus Plasteteilen wie "Erstaunter Marsbewohner" oder "Rollschwein" (beide 2008) wichtig.
Insgesamt 55 Arbeiten von Erika Stürmer-Alex sind im Kunstparkhaus zu entdecken. Besonders die drei großformatigen Bilder "Sommerregen" (2005), Schmetterlinge (2007) und "Das Petersdorfbild" (2008) kommen im weiträumigen, hellen Portal unter dem Glasdach angemessen zur Geltung. Die meisten der hier gezeigten Arbeiten sind nach der Jahrtausendwende entstanden.
Wen die Vorgeschichte dieser Werke interessiert, kann sich um die Ecke im Gebäude der Sparkasse eine, jetzt verlängerte, Ausstellung mit Papiercollagen von Erika Stürmer-Alex ansehen. Unbeeindruckt von der enormen Vielfalt ihres Schaffens werden dabei Kontinuitäten in ihrer Ausdrucksweise von den 60er Jahren an sichtbar.
Erika Stürmer-Alex, Kunstparkhaus Strausberg, bis 17. September, Mo bis Fr, 8 bis 22 Uhr, Sa 8 bis 15 Uhr; Hauptgebäude Sparkasse, bis Ende September, Mo und Fr 8-15 Uhr, Di und Do 8-18 Uhr, Mi 9-13 Uhr; Erich Sauer, Kundencenter Stadtwerke Strausberg, bis 20. August, Mo bis Fr 9 bis 18 Uhr