"In Anbetracht der Einfachheit dieser großen unvergesslichen Frau" sollte man den Platz - in Berlin-Pankow - mit einem ihrer eigenen Werke schmücken, schrieb der Bildhauer Gustav Seitz 1949 an den Berliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert. Und mahnte: "Ich möchte dringend davon abraten, ihr ein auffälliges und anspruchsvolles Denkmal setzen zu lassen." Seitz hatte die couragierte Frau noch selbst als Student kennengelernt. Käthe Kollwitz stand in der Akademie der Künste bis zu ihrer politisch motivierten Entlassung 1933 der Meisterklasse für Grafik vor. 1950 wurde aus Anlass des Ersten Deutschlandtreffens der Jugend die Kalksteinkopie der Skulptur "Mutter mit zwei Kindern" von Käthe Kollwitz feierlich eingeweiht. An der Stätte des Wirkens der großen Künstlerin wuchs jedoch der Wunsch nach einem Denkmal für sie selbst. Der Magistrat von Berlin erteilte 1956 Seitz dafür den Auftrag. Der Bildhauer war als Nationalpreisträger der DDR hoch angesehen. Er leitete das Meisteratelier für Bildhauerei an der Akademie der Künste.
Das von ihm geschaffene Werk zeigt die Künstlerin in hohem Alter mit langem Gewand, bedenklich sitzend, die große Zeichenmappe an ihrer Seite. Es ist Denkmal und Mahnmal zugleich. "Nie wieder Krieg" forderte ein von der Grafikerin und Bildhauerin 1924 gezeichnetes Plakat mit der eindringlichen Geste einer Schwurhand. Im Ersten Weltkrieg war ihr zweiter Sohn gefallen. Zeit ihres Lebens positionierte sie sich gegen Krieg und Gewalt.
Seitz erarbeitete mehrere Entwürfe für das Denkmal für die von ihm hoch verehrte Künstlerin. Einer aus seinem Nachlass steht nun an der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz. Dort entsteht ein Gustav-Seitz-Zentrum. Seit mehr als 20 Jahren widmet sich der Schlossverein dem internationalen Jugendaustausch, besonders zwischen Deutschen und Polen. Trebnitz ist ein Hort der Kreativität. Über Kunst und Kultur öffnen sich junge Leute den Themen der Zeit, diskutieren Geschichte und Gegenwart.
Die Figur der Käthe Kollwitz als eine von vielen Skulpturen, die Seitz in öffentlichen Räumen schuf, passe wunderbar zum Anspruch der Bildungsarbeit, befindet Bernd Schälicke von der in Hamburg ansässigen Stiftung. Seitz galt als Pendler zwischen Ost und West. Seine humanistische Grundeinstellung prägte sein Werk, das er als Lehrer weitergab. Künftig sollen sich im Oderland mit Seitz sowie den Menschen, die Gegenstand seiner künstlerischen Arbeit waren, junge Leute auseinandersetzen. Solch ein Zentrum verbinde ein wichtiges kulturhistorisches Anliegen mit der kulturellen Bildung von heute, würdigt Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) das Vorhaben des Schlossvereins.