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Als Maestro Howard Griffiths am Sonnabend das Podium betritt, beginnt ein Science-Fiction-Spektakel, das die Zuschauer auf eine faszinierende Reise durch die Weiten des Universums mitnehmen will. Sieben Planeten geben sich dabei die Ehre, von Gustav Holst als sinfonische Stimmungsbilder einprägsam komponiert. Sie zu hören, ist jedes beliebige Konzert geeignet. Sie auch visuell zu entdecken, dazu bedurfte es erst jenes mittlerweile fünften Education-Projektes, das sich ganz der Poesie des Tanzes hingibt.
Über 350 Kinder von zwölf Schulen aus sechs Städten haben sich in disziplinfordernden und gegenseitigen Respekt erheischenden Proben auf das Wagnis eingelassen, sich aus einem anfangs wild durcheinander rennenden Haufen zu einem staunenswerten Tanzteam formen zu lassen. Es setzte seinen Ehrgeiz daran, die enormen künstlerischen Anforderungen der Choreographin Be van Vark in schier unfassliche, restlos überzeugende Tanzaktionen umzusetzen. Von inbrünstigem Eifer getrieben, sind sie am Premierennachmittag ganz bei der Sache - und bei sich. Die Reise kann beginnen.
Von fern dringen Geräusche ans Ohr. Klingt so das Universum? Nein, es sind Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt und Slubice, die auf den Seitenemporen postiert sind und auf Geigensaiten, mit Schlaghölzern, Ratschen und anderen Utensilien jenen Eindruck erzeugen. Als Improvisationsorchester sind sie für die Zwischenspiele zuständig. Als erstes hat sich "Mars - der Kriegsbringer" per Videoanimation ins Gazebild geschoben. Während das Orchester die kriegerisch-aufpeitschende Musik spielt, marschieren Uniformierte gleich präzisen Kampfmaschinen heran, füllen die Bühne mit ihrer ausdrucksstarken Körpersprache. Sehr bedrohlich. Die Formationen wechseln, zeigen kraftvolle Sprüngen und stilisierte Zweikämpfe. Gymnasiasten aus Beeskow und der Musikschule Slubice sind die staunenswerten Protagonisten. Auch für die anderen Himmelsgestirne sind größtenteils jeweils zwei Schulen zuständig.
Mars kehrt in seine Umlaufbahn zurück, dann fliegt "Venus - die Friedensbringerin" aus den fernen Weiten herbei. Rotlicht beherrscht die Szene. Ein rotes Tuch wuselt 34-füßig über die Vorbühne, dazu ertönt eine sehr sinnliche Musik. Jungen und Mädchen finden zueinander in fantasievoll zart-erotischer Aktion. Staunenswert die Schrittkombinationen, die sicheren Hebungen - fast wie die Profis. Auch gibt es Erotik als Schattenspiel - danach brandet spontaner Jubel auf. Zu kapriziöser Musik rast "Merkur - der geflügelte Bote" in die bevölkerte und laufbewegte Szene, verteilt Pakete, Goldbarren und was der Mensch noch so braucht. Die Choreographin scheint um Einfälle nie verlegen zu sein. Für den "Saturn, der Altersbringer" erfand sie am Körper befestigte Stangenhindernisse, die den Bewegungsdrang der Gliedmaßen arg einschränken. Dazu Adagio-Klänge. Perfekt. Bei "Uranus, dem Magier" tanzen seine Eleven mit vielfarbig leuchtenden Fingerspitzen den quirligen Spuktanz. "Neptun, der Mystische" beherrscht sein Reich der Nixen und Nöcks, wo aus einer bläulich schimmernden Luftblase ein wild bewegter See entsteht.
Farbenbuntes Gewusel, akrobatische Aktionen und das beachtliche Solo einer Jungballerina lobpreisen im hymnischen Schlusstableau "Jupiter, den Freudenspender". Spontaner Jubelsturm für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne potenziert sich zu Standing Ovations.