Die Schauerstory ist kurz erzählt: Während einer Varieté-Vorstellung fällt ein Schuss, Panik bricht aus. Die mysteriöse Annabella (Larissa Kristina Puhlmann) fällt buchstäblich in Richard Hannays (Conrad Waligura) Arme und stellt damit sein Leben auf den Kopf. Sie ist Spionin und dem Spionagering "Die 39 Stufen" auf der Spur. Der hat Geheimdokumente gestohlen. Nur Stunden später sieht Richard Annabella mit einem Messer im Rücken tot - und sich selbst auf der Flucht vor der Polizei, die ihn für den Mörder hält.
450802
Regisseurin Sonja Hilberger, Ausstatterin Justyna Jaszczuk und das Schauspieler-Quartett - zu dem neben Waligura und Puhlmann Uwe Schmiedel sowie Neuzugang Michael Kuczynski in mindestens doppelt so vielen Rollen zu sehen sind - machen aus der raffinierten Handlung mit den intelligenten Dialogen ein abgefahrenes, aberwitziges, rasantes, mit Klischees kunterbunt aufgemotztes Theatervergnügen. Am Ende schießt sogar die Souffleuse (Ronja Strub) auf den Bösewicht! Sonja Hilberger gibt ihrem Regieaffen genusssüchtig und reichlich Zucker. Die Komödie, eher eine Klamotte, lässt einige verirrte Zuschauer in der Pause ausreißen ("Schrecklich!"). Direkt vor der Pause hatte sich Nazi-Meisterspion Professor Jordan (Schmiedel) nach dem Mordversuch an Hannay von seiner Frau zu Rammstein-Musik sexuell befriedigen lassen und bekommt provozierend einen steifen - rechten Arm. Die anderen 99 Prozent der Theaterbesucher amüsieren sich - bis zum Schluss.
Überragend gut und komisch ist Schmiedel in seinen manchmal im Sekundentakt wechselnden Männer- und Frauenrollen. Kuczynski macht aus "Mr. Memory" eine neue Kultfigur. Walligura liefert mit der filmreifen Flucht, der Wahlkampfrede und der erotischen Strumpfszene mit Pamela Erstklassiges ab. Larissa Kristina Puhlmann überzeugt als sexy "Bond-Girl" Annabella, zickige Pamela, naive Margret, mondäne Mrs. Jordan. Klar ist am Ende: Das neue Stück bietet weniger James Bond, eher Mister Bean.