Regisseur Folke Braband macht Daniel Kehlmanns Stück weder zum Schenkelklopftheater noch dekonstruiert er es. Sondern er gibt dem well made play, was es braucht: ein zugleich ernsthaftes wie lockeres Bonmot-Parlando.
Kehlmann, der 2009 bei den Salzburger Festspielen eine Brandrede gegen das sogenannte Regietheater gehalten hat und im vergangen Jahr aus einer Inszenierung seines "Mentors" in Frankfurt am Main empört heraus gelaufen ist, kann mit Brabands Inszenierung zufrieden sein. Und der Zuschauer auch - wenn er nicht mehr erwartet als ein Kammerspiel mit einfachen Aussagen über Künstlerschaffen und Künstlerrivalitäten.
Das in Berlin einem tollen Ensemble in die Schauspielerhände gefallen ist. An der Spitze der famose Volker Lechtenbrink, der sich auf jede Pointe mit Genuss setzt, aber seiner Figur in kurzen Momenten auch verhaltene Ernsthaftigkeit zugesteht. Während Andreas Christs junger Schriftsteller sich energisch und aufbrausend wehrt: ein tolles Kampfpaar! Zwischen denen Wegners Gattin Gina (schön verhalten und nachdenklich; Rebecca von Mitzlaff) vergeblich zu vermitteln sucht.
Denn Rubin meint, Wegners neues Werk "Namenlos" tauge nichts. Das Problem: Rubin war mal erfolgreich, Wegner aber ist es im Augenblick. Rubin vertritt einen rigiden Realismus, Wegner schreibt, wie er will. Dennoch bringt Rubin den jungen Kollegen dazu, an seiner eigenen Begabung zu zweifeln. Als Wegner seine Frau direkt fragt, wie sie seine Arbeiten finde, antwortet auch sie skeptisch. So kommt zur künstlerischen Bewusstseins- noch die Ehekrise.
Schriftstellerischer Schaffensdruck steht gegen Kinderwunsch, Alltag mit schmutzigem Geschirr gegen den Egoismus des Autors. Wegner reist wütend ab und zerstört alle Gerätschaften, auf denen sein Werk vorhanden ist. Seine zurückbleibende Frau aber lässt sich von Rubin mit Sprüchen zu einem Seitensprung verleiten.
Ein Einfall Kehlmanns, der nur mit dem unbewussten Chauvinismus eines zwischen Problem- und Boulevardstück schwankenden Werks zu erklären ist. Wirkungssicher aber ist es, zumal mit so vorzüglichen Schauspielern wie in Berlin. Neue Erkenntnisse über den Kulturbetrieb und schriftstellerische Schaffensweisen vermittelt es allerdings nicht. Kunst ist subjektiv, erklärt uns Kehlmann in seinem unterhaltsamen Stück, das mit viel Scherz, ein wenig Satire und etwas tieferer Bedeutung punktet.
Vorstellungen bis 13.7., Theater am Kurfürstendamm 206-209, Berlin-Charlottenburg, Kartentelefon: 030 88591188
Boshaft: Benjamin Rubin (Volker Lechtenbrink, l.) kritisiert das neue Werk von Martin Wegner (Andreas Christ).Foto: Oliver Fantitsch
Daniel Kehlmanns "Mentor" an der Komödie am Kurfürstendamm wird bei Regisseur Folke Braband nicht zum Schenkelklopftheater
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