Es begann vor 35 Jahren mit seinem Job als Pressefotograf. Aus dem beruflichen Part wurde schnell Leidenschaft, die weit über das Bild für die Zeitung hinausgeht. Er sah bald genauer hin, wenn die Musiker Zwiesprache mit ihren Instrumenten hielten, wenn sie sich selbst von der Musik hinwegtragen ließen, der Hektik und dem Alltag entrückt.
Blues ist nicht nur eine Musik, Blues ist Gefühl. Ein Gefühl, dass auch den Berliner seit Jahrzehnten immer wieder neu gefangen nimmt. Aus tausenden Fotos, die er auf und hinter der Bühne geschossen hat, wählte er die interessantesten für Ausstellungen aus, die er seit zwei Jahren zeigt.
"Seine Fotos sind ein Spiel mit Licht und Mimik, mit Stille und Ekstase,  ein Universum der Musik und Improvisation abseits der grellen Shows und Scheinwerfer-Fluten des Rock und Pop", sagt Michael Pommerening. Den Journalisten und den Fotografen eint nicht nur das gemeinsame Faible für Blues und Jazz. Pommerening ist Initiator der vielleicht kleinsten Galerien der Welt. In einer ehemaligen Trafostation im Falkenhagener Ortsteil Regenmantel hat er 2012 die erste Galerie des von ihm gegründeten Vereins Kunstregen etabliert. 2013 folgte eine zweite im einstigen Waagehäuschen des örtlichen Landwirtschaftsbetriebes in Dolgelin. Es sind keine Galerien im herkömmlichen Sinne. Es gibt keine Öffnungszeiten und keine Galeristen. Dennoch kann jeder, der Muße hat, durch die Fenster zu allen Tageszeiten die Bilder und Ausstellungsobjekte betrachten. Seine Mini-Galerien locken auch jene, die nie eine große Ausstellung besuchen würden.
Als Pommerening den Fotografen Schilke für eine Ausstellung warb, überlegte der nicht lange. Der Anspruch des Vereins, Kunst auf dem Lande und an einsamen Orten erlebbar zu machen, entspricht auch seinem. In den beiden Mini-Ausstellungen sieht Schilke eine perfekte Ergänzung zu seiner großen Schau "Jazz Photografie", die er im Juli in der Galerie Grünstraße in Berlin eröffnet hat und die dort noch bis zum 27. August zu sehen ist.
Waren die ersten Konzerte vorrangig auf den DDR-Kosmos begrenzt, so öffneten sich mit der Wende ganz neue Horizonte für Schilke. Er konnte seine Fotostudien um vieles vertiefen. "The blues inside me" - sind die beiden Ausstellungen in Regenmantel und Dolgelin überschrieben. Wer seine Bilder sieht, spürt, dass auch der "Foto-Macher" den Blues in sich trägt.
Entstanden auf den Baumwollfeldern der amerikanischen Südstaaten, sangen einst die schwarzen Sklaven von Verbrechen, Resignation, Hunger, Heimweh und Trauer über ihre Gefangenschaft, begründeten mit dem Blues, in dem der Jazz seine Wurzeln hat, eine weltumspannende Musikrichtung. Eine, deren Botschaften bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Blues und Jazz leben von der Improvisation, von der Verarbeitung momentaner Gefühlslagen, der Fähigkeit, dies musikalisch auszudrücken. Wie etwa beim Gefühl der Trauer. Wer trauert, geht bewusster durchs Leben, legt andere Maßstäbe an den Alltag an, entwickelt einen Blick auf Dinge, die im Überfluss schnell übersehen werden. Das ist der Bogen, den Schilke von der Entstehung der Musik bis in die heutige hyperaktive Zeit des Konsums mit seinen Bildern schlägt. "Der Jazz hat den Blues der Trauer in sich ebenso wie die Zuversicht, den Neuanfang, das Experiment des Lebens", sieht es Michael Pommerening und erntet Zustimmung vom Fotografen. Der hat sie eingefangen, jene intimen Momente, wenn die Töne aus der Seele der Musiker den Weg zum Zuhörer finden. Mit seinen beiden Ausstellungen lädt er ein, der großen Sinfonie des Lebens zu lauschen.
In Regenmantel sind es Jazz-Ikonen wie Marck Bonkonga, Paul Lovens oder Gary Burton, die auf Schwarz-Weiß-Fotos den Brückenschlag zum Betrachter suchen. Für Dolgelin hat Schilke  Farbbilder ausgewählt, die bei Konzerten der Stiftung Schloss Neuhardenberg entstanden sind, mit Größen wie Abdullah Ibrahim, Pat Metheny, Candy Dulfer, Ornette Coleman oder David Sanborn.