Die Stiftung, die seit 28 Jahren in Hamburg den Nachlass von Seitz betreut, will im Schloss Trebnitz ein Gustav Seitz Zentrum einrichten. Das Pleinair und den Preis sehe man als einen ersten Schritt dorthin, erklärte Bernd Schälicke von der Stiftung. Den Künstlern sei es hervorragend gelungen, sich im Sinne von Seitz dem Menschen als Individuum zu nähern, ihn als eigenständige Persönlichkeit und frei von herrschaftlicher, ideologischer und religiöser Dominanz darzustellen. Der Wert des Schaffens von Gustav Seitz, der als Meister der figürlichen Plastik gilt, stehe bis heute außer Frage. Der Bildhauer stehe in der Tradition der Aufklärung mit ihrer Darstellung des Menschen mit seiner Sinnlichkeit und Gefühlswelt. Dazu gehöre Seitz' zeitlebens ihn prägender Drang der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen.
Die Pleinair-Teilnehmer konzipierten ihre Arbeiten speziell in das Umfeld des Schlosses, nutzten den Park ebenso wie das benachbarte einstige Inspektorenhaus sowie Flure und Seminarräume. Zum Treffen gehörten zudem Künstlergespräche sowie Diskussionen über das Werk von Gustav Seitz.
Schälicke überreichte der Siegerin neben dem Preis auch eine seltene Arbeit des 1969 in Hamburg gestorbenen Bildhauers - ein Bronze-Medaillon, das er 1949 zum 200. Geburtstag von Goethe geschaffen hatte. Es war nie überreicht worden, da im Oktober 1949 die DDR gegründet wurde und die Tagespolitik von so hoher Brisanz geprägt war, dass kein Raum für künstlerische Ehrungen blieb. Die Hallenserin, die u.a. auf Burg Giebichenstein Bildhauerei studierte, gestaltet selbst Medaillons, zeigte sich überglücklich über die Ehrung.
Ihre Figur, ein menschlicher ausgezehrter Körper mit einem Vogelkopf sowie Flügelrudimenten, die sich abstützen, stellt die jahrhundertealte Frage, wie viel Kreatur im Menschen steckt. "Dynamik, Kraft und Ausstrahlung nehmen den Betrachter gefangen", begründete Schälicke die Entscheidung, die angesichts der hohen Qualität aller acht Arbeiten nicht leicht gefallen sei.
Schälicke kündigte an, dass im künftigen Seitz Zentrum Teilnehmer des Pleinairs eigene Ausstellungen erhalten sollen. In unregelmäßigen Abständen werde auch der Preis erneut vergeben. Die Arbeiten von Julia Schleicher, Katarzyna Fober, Marcin Grzeda, Sarah Hillebrecht, Wojtek Hoeft, Joseph Marr, Kasia Ozga sowie Edvardas Racevicius bleiben Eigentum von Schloss Trebnitz.
www.gustav-seitz-stiftung.de