Ähnlich strahlend wie Bachs "Jauchzet, frohlocket" beginnt auch Mendelssohn Bartholdys Choralkantate über das Lutherlied "Vom Himmel hoch" mit strahlenden Trompeten, wirbelnden Pauken und festlichen Streichern. Dabei ist das Brandenburgische Staatsorchester viel zu laut, als dass der Chor es übertönen könnte. Der Text ist kaum zu verstehen. Wird es leiser, kann man zumindest erahnen, dass "uns ein Kindlein heut’ geboren" ist. Es wandert durch alle Stimmgruppen. Die Baritonarien stimmt Klaus Häger mit kräftiger, aber ausdrucksarmer Stimme an. Klar und hell getönt singt Martina Rüping das Sopransolo und kann mit herausgeschleuderten Spitzentönen das Orchester überstimmen. Den Schlusschoral lässt Tiersch in ein forciertes Fortissimo steigern. Insgesamt strahlt diese geradezu unromantische Wiedergabe den Charme einer Logarithmentafel aus.
Seufzer steigen gen Himmel
Über den Adventschoral "Nun komm der Heiden Heiland" hat Charles-Marie Widor eine "Sinfonia sacra" für Orgel und Orchester geschrieben. Zunächst steigen die Seufzer und Klagen der Menschheit gen Himmel. Der Choral wird erst von der Solovioline (Klaudyna Schulze-Broniewska), dann von der Orgel (Martin Stephan) angestimmt. Alsdann beginnt romantisches Raunen, breiten sich pastorale Stimmungen aus, die immer aufgeregter werden. Im Zwiegespräch mit dem Orchester bleibt die Orgel zunächst zurückhaltend, um dann mit Dramatik aufzutrumpfen. Schließlich beschreiben in einem gewaltigen Unisono die Holz- und Blechbläser, die rauschhafte Orgelbegleitung und frohlockende Streicher die Ankunft des Heilands.
Episodenhaft erzählt Rheinberger das Weihnachtsgeschehen in der Kantate "Der Stern von Bethlehem" op. 164 von Engelsverkündigung, Anbetung der drei Könige bis zur Mutter-Kind-Zwiesprache. Da zeigt sich Martina Rüping als Maria voller Innigkeit und Intensität, Klaus Hilger als kraftvoller Erzähler und die Singakademie nunmehr von ihrer textverständlichen und sangesgeschmeidigen Vortragskultur. Dafür gab’s viel Beifall.