In ihren Rollen ist sie oft die Zarte, die man leicht unterschätzen könnte. Doch das täuscht: Die von Jutta Hoffmann verkörperten Charaktere in Film und Fernsehen bleiben im Gedächtnis. Die Frauen sind nicht zu dirigieren, zeigen ihren Willen und dann auch Stärke. Vor fast 50 Jahren begann die in Halle an der Saale geborene und heute in Potsdam lebende Schauspielerin ihre Karriere. Nun wird sie 80 Jahre alt. Auf eine schriftliche Anfrage, wie es ihr geht, antwortet sie: „Meiner Familie und mir geht es gut.“
Jutta Hoffmanns Karriere begann einst in einer Laiengruppe in einem Chemiewerk in Schkopau bei Halle. Später studierte sie an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Zu DDR-Zeiten trat sie in zahlreichen DEFA-Filmen und Fernsehproduktionen auf. In Venedig erhielt sie – als DDR-Bürgerin – 1972 einen „Silbernen Löwen“ als beste Schauspielerin. In dem prämierten DEFA-Film „Der Dritte“ von Egon Günther mit Armin Müller-Stahl sucht sie nach dem richtigen Mann. Der Dritte wird es dann.

„Kleiner Mann - was nun?“

Einer der ersten Filme, an denen sie zu DDR-Zeiten mitwirkte, war „Karla“ (1965). Das Drama wurde von der SED verboten und erlebte erst 1990 seine Premiere. Jutta Hoffmann übernimmt darin die Rolle einer Lehrerin, die Schülern ehrlich ihre Meinung sagt. Im TV-Zweiteiler „Kleiner Mann – was nun?“ (1967) nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada verkörpert sie an der Seite von Arno Wyzniewski als Hans Pinneberg dessen Ehefrau Emma, genannt „Lämmchen“. Mit Stärke hält sie die kleine Familie in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise zusammen. Später spielt sie in „Lotte in Weimar“ (1975) mit. Da ist sie die Adele Schopenhauer, Lilli Palmer die Lotte.

1982 verlässt sie die DDR und geht in den Westen

Nachdem sie 1976 in der DDR gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert hatte, erhielt Jutta Hoffmann weniger Angebote. Der Fernsehfilm „Geschlossene Gesellschaft“ (1978) von Frank Beyer verschwand im Giftschrank. Thema ist das Zusammenleben von Paaren im Sozialismus.
1982 geht Jutta Hoffmann dann in den Westen, spielt auf allen großen deutschen Bühnen und steht vor der Kamera. Nach der Wende zeigt sie in der deutsch-deutschen Satire „Motzki“ von Wolfgang Menge ihren Humor, aber auch ihre Standfestigkeit. Als Schwägerin Edith aus Ost-Berlin lässt sie sich von dem besserwisserischen und miesepetrigen Motzki (Jürgen Holtz) nicht die Butter vom Brot nehmen. Im „Polizeiruf 110“ ermittelt sie von 1999 bis 2002 vier Mal als Kommissarin Wanda Rosenbaum.
2005 wurde Jutta Hoffmann von der DEFA-Stiftung für ihre Verdienste um den deutschen Film geehrt. Seit 2011 hat die Schauspielerin, die von 1993 bis 2006 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professorin tätig war, einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Und 2017 wurde die in Ost wie West beliebte Jutta Hoffmann als „Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle“ mit dem Grimme-Preis gekürt: für ihre Rolle als alkoholkranke und obdachlose Mutter mit psychischen Problemen in der BR-Produktion „Ein Teil von uns“ von Nicole Weegmann.

Gerne würde sie mit Quentin Tarantino drehen

Der Plot: Plötzlich taucht die Mutter bei der Tochter auf. Jutta Hoffmann schreit drastische Schimpfworte, auch um sich zu behaupten, ist schmutzig, ungepflegt und sichtbar krank. Sie kann aber in der Rolle auch selbstvergessen im Unterkleid tanzen und zieht damit den Zuschauer in den Bann. Und macht am Ende doch, was sie will.
Zu ihrem 70. Geburtstag äußerte die Schauspielerin vor zehn Jahren in einem Interview einen Wunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat: „Also, wenn Quentin Tarantino mal wieder vorbeikommen würde, hätte ich schon Lust, mit ihm zusammenzuarbeiten, das fände ich wirklich spannend.“ Und zu ihren aktuellen Vorhaben für 2021 gibt sie nur so viel preis: „Dem Regisseur habe ich versprochen, den Mund zu halten.“