Schwierige Recherche

Bis vor wenigen Jahren waren diese Waldlager historisch noch gänzlich unerforscht. Lediglich aus Erzählungen von Zeitzeugen war ihre Existenz noch überliefert. "Ohne unsere ehrenamtlichen Hobbyarchäologen wären wir nie darauf gekommen, dass es so etwas in Brandenburg gab", sagt der Kurator der Ausstellung, Thomas Kersting, der das Dezernat für Bodendenkmäler beim Landesamt leitet. Bei einem Lehrgang im Jahr 2014 erzählten die freiwilligen Helfer der Behörde etwas von einstigen "Russenlagern" in den Wäldern.
Im Umfeld der Gruben fanden sich zudem immer wieder militärische und zivile Alltagsgegenstände: Uhren, Schmuck, Erkennungsmarken, Koppelschlösser, Wasserhähne, Duschköpfe und mehr. Das Landesamt nahm die Sache genauer unter die Lupe. Bei Oberflächenscans aus der Luft, bei denen die Bodenoberfläche ohne Vegetation erfasst wird, konnten klare Strukturen nachgewiesen werden. Bei Grabungen wurden detailliertere Befunde getroffen.
Doch wozu dienten die Lager? Und wie lief dort der Alltag ab? Da aufgrund der seit Jahren angespannten diplomatischen Beziehungen zu Russland kein Zugang zu den dortigen Militärarchiven möglich war, war die Quellenlage dünn. Wichtigstes Dokument für die Forschung war das auf Deutsch verfasste Tagebuch eines russischen Offiziers: Wladimir Gelfand. Zudem konnte bei den Recherchen ein Zeitzeuge ausfindig gemacht werden.
Kersting ist davon überzeugt, dass die Lager als Sammelstellen für jene Rotarmisten genutzt wurden, die nach Kriegsende wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Zudem wurden wohl auch befreite osteuropäische Zwangsarbeiter vor ihrer Rückkehr dort einquartiert. Sie erwartete nach ihrer Befreiung weiterhin ein hartes Leben. In ihrer Heimat galten sie als Verräter. "Sie waren nicht gestorben und hatten für den Feind gearbeitet", so Kersting.
Der Fachmann vermutet im Übrigen, dass das Ausheben der Lager auch dazu diente, Übergriffe von Rotarmisten auf die Bevölkerung zu verhindern. Nach all dem Grauen, das viele Soldaten erlebt hatten, war der Hass auf die Deutschen teils groß. Die Lager trennten sie nicht nur von den Zivilisten, das Errichten bot auch Beschäftigung.
Die meisten der provisorischen Behausungen hatten nicht lange Bestand. Viele waren Anfang 1946 wieder aufgelöst. "Einige Waldlager, zum Beispiel bei Hoppegarten, blieben aber mehrere Jahre", so Kurator Kersting. Die Überreste der Lager sind heute Bodendenkmäler. Wie viele es insgesamt waren, vermag Kersting nicht zu sagen. "Wir kennen nicht alle Standorte", räumt er ein. Die Ausstellung gibt jedoch einen guten Eindruck vom Leben in diesen Militärsiedlungen. Erstmals wurde sie 2015 zum 70. Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkriegs gezeigt. Nun, 75 Jahre nach Kriegsende, sei erneut ein guter Anlass, sie zu zeigen.
"Zwischen Krieg und Frieden – Waldlager der Roten Armee in Brandenburg 1945" bis zum 29. Juli im Kornspeicher Neumühle, täglich 10 bis 18 Uhr

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