Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller: Für den Wettbewerbsbeitrag "Wilde Maus" hat sich Hader, der am Dienstag 55 wird, ganz schön viel zugemutet. Die Geschichte scheint ihm am Herz zu liegen: Der Wiener Musikkritiker Georg wird von einem Tag auf den anderen abgesägt. Er verdiene zu viel, darf er sich von seinem geschäftsbewussten Chef (Jörg Hartmann) anhören, sonst müssten an seiner Stelle eben drei jüngere Kollegen gehen.
Georg geht, aber fügen will er sich nicht. Erst verheimlicht er seiner Frau Johanna (Pia Hierzegger), dass er die Tage im Prater verbringt statt im Büro - in der Nähe einer Achterbahn, eben jener "Wilden Maus", die in dem Film noch eine tragende Rolle spielen wird. Dann rüstet er mithilfe eines neu gewonnenen Freundes (Georg Friedrich) zum Gegenschlag gegen den verhassten Boss. Dabei entgleitet ihm zunehmend die Kontrolle über den ungeschickten Rachefeldzug und auch über seine Existenz.
Diese Geschichte hätte das Zeug zur bissigen Satire. Tatsächlich ist die Welt, die Hader um seine Figuren herum entwirft, eine, die vor die Hunde geht: Aus allgegenwärtigen Radios und Fernsehern dringen Hiobsbotschaften von Attentaten und Kriegen. Doch Georg und Johanna reagieren darauf höchstens mit einem "Wie schrecklich". Sie haben genug mit ihren eigenen Problemen zu tun.
Für diese Probleme interessiert sich der Zuschauer nur zu Beginn. Bald merkt er, dass dem Film das emotionale Zentrum fehlt, und bleibt auf Distanz zu den Figuren. Denen gönnt Hader durchaus den ein oder anderen gelungenen Wortwechsel, doch in der Führung der hochklassigen Schauspieler fehlt ihm die Strenge. Selbst mitunter wunderbar skurrile Momente - etwa Georgs Kampf mit den Überwachungskameras vor dem Haus seines Chefs - können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film ohne das notwendige Tempo und einen zugkräftigen Spannungsbogen vor sich hin mäandert. Diese "Wilde Maus" hätte ein bisschen mehr Biss vertragen.
Heute, 9.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele