"Ich bin vielleicht zwei Jahre alt und gerade wach geworden", beginnt Maik Klingenberg, gespielt von Conrad Waligura, seine Geschichte zu erzählen. Der Jugendliche ist ein Außenseiter in seiner Schule, hat eine alkoholkranke Mutter, einen cholerischen Vater und ist heimlich in seine Klassenkameradin Tatjana Kosic verliebt. Es folgt die Geschichte zweier Außenseiter, die auf ihrer Reise nicht nur erwachsener werden, sondern auch ein Stück von sich selbst finden und dabei auf interessante Menschen treffen. Was mal komisch, mal tiefsinnig erzählt wird.
Im Saal des Intimen Theaters der Uckermärkischen Bühnen warten 100 Zuschauer auf die nächsten Sätze des Protagonisten. Maik erzählt die Veränderungen seines Lebens, ausgelöst durch Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, der mit ihm in einem geklauten Auto in die Walachei fahren will. Die Bühne ist minimalistisch mit Autoreifen bestückt, nur wenige Requisiten kommen zum Einsatz.
Larissa Puhlmann, die unter anderem das Mädchen Isa auf dem Schrottplatz, Maiks Mutter und eine Krankenschwester spielt, ist eine wandelbare Schauspielerin. Die 25-jährige Diplom-Musicaldarstellerin ist das neue Ensemble-Mitglied der Uckermärkischen Bühnen und in ihrer ersten Rolle zu sehen.
Es sind nicht nur ihre lauten Momente, sondern auch die leisen, in denen sie ihr Können zeigt. Als alkoholisierte Mutter lässt sie sich in einen der Reifen fallen, und ihr Gesicht sagt dabei mehr, als jedes Wort es könnte. Da hängt eine Frau an der Flasche, die verzweifelt ist, ratlos und die sich aufgegeben hat. Als sie "Hallelujah" nach dem Original von Leonard Cohen singt, spiegeln sich ihre Emotionen nicht nur in ihren Augen. Ihr ganzer Körper steht unter Spannung.
Conrad Waligura gibt seiner Figur Maik Klingenberg einen ganz eigenen Ton. Er lässt hier und da Pausen zu, um die bedeutungstragenden Worte wirken zu lassen. "Es ist ein überragend guter Jugendroman und ein faszinierender Stoff für ein Bühnenstück", erklärte der Darsteller.
Tschick hingegen, gespielt von Peter-Benjamin Eichhorn, ist mit seiner großen, russisch-akzentuierten Klappe der Spaßvogel des Stückes und provoziert das Gelächter des Publikums. Allein in seinem blauen, ärmellosen Shirt und mit der Tüte eines Billigdiscounters bestückt, ergibt sich ein herrliches Bild von ihm. Mit Sprüchen wie "Alle waren beige" über ein paar Rentner hat er auch die Lacher der älteren Zuschauer auf seiner Seite. Als Tschick Maik sagt, sie würden in die Walachei fahren, versucht dieser ihm zu erklären, dass es diese Gegend nicht gibt. Tschick: "Klar gibt es das. Hast du in Geometrie nicht aufgepasst?" Denn so ist das Stück eben auch: Witzig, ohne dass dabei die Tiefe der Geschichte verloren geht.
Darsteller Ireneusz Rosinski schafft es immer wieder, den Zuschauer vergessen zu lassen, welche Rolle er in den Minuten zuvor verkörpert hat. Er gibt jeder Figur eine neue Note.
"Lebe jetzt, in diesem Augenblick ist die Aussage, die wir ebenso wie Wolfgang Herrndorf in seinem Roman vermitteln wollen. Wichtig ist auch die Offenheit der beiden Jungs für die verschiedenen Lebensmodelle, die ihnen begegnen", erklärt Regisseur Jens Heuwinkel.
Am Ende hat sich der Nebel gelegt. Klar und deutlich stehen die vier Darsteller vor ihrem Premierenpublikum und lassen sich nach ihrem zweistündigen Spiel mit stehenden Ovationen feiern.
Vorstellungen: 10. 6., 19.30 Uhr, 17. und 18. 6., 10.30 Uhr, im Intimen Theater der Uckermärkischen Bühnen, Tel. 03332 538111
Von Josephin Hartwig
Schwedt (MOZ) Nebelschwaden hüllen den Raum ein, und eine bedrohliche Stimmung entsteht. Es scheint, als wären die Schwaden zusammengesetzt aus den Erwartungen des Publikums. Die drei letzten Klingeltöne läuten den Beginn der Premiere, eine Bühnenfassung von Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick", ein. Vier Schauspieler betreten die Bühne: Conrad Waligura, Peter-Benjamin Eichhorn, Larissa Puhlmann und Ireneusz Rosinski.
"Ich bin vielleicht zwei Jahre alt und gerade wach geworden", beginnt Maik Klingenberg, gespielt von Conrad Waligura, seine Geschichte zu erzählen. Der Jugendliche ist ein Außenseiter in seiner Schule, hat eine alkoholkranke Mutter, einen cholerischen Vater und ist heimlich in seine Klassenkameradin Tatjana Kosic verliebt. Es folgt die Geschichte zweier Außenseiter, die auf ihrer Reise nicht nur erwachsener werden, sondern auch ein Stück von sich selbst finden und dabei auf interessante Menschen treffen. Was mal komisch, mal tiefsinnig erzählt wird.
Im Saal des Intimen Theaters der Uckermärkischen Bühnen warten 100 Zuschauer auf die nächsten Sätze des Protagonisten. Maik erzählt die Veränderungen seines Lebens, ausgelöst durch Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, der mit ihm in einem geklauten Auto in die Walachei fahren will. Die Bühne ist minimalistisch mit Autoreifen bestückt, nur wenige Requisiten kommen zum Einsatz.
Larissa Puhlmann, die unter anderem das Mädchen Isa auf dem Schrottplatz, Maiks Mutter und eine Krankenschwester spielt, ist eine wandelbare Schauspielerin. Die 25-jährige Diplom-Musicaldarstellerin ist das neue Ensemble-Mitglied der Uckermärkischen Bühnen und in ihrer ersten Rolle zu sehen.
Es sind nicht nur ihre lauten Momente, sondern auch die leisen, in denen sie ihr Können zeigt. Als alkoholisierte Mutter lässt sie sich in einen der Reifen fallen, und ihr Gesicht sagt dabei mehr, als jedes Wort es könnte. Da hängt eine Frau an der Flasche, die verzweifelt ist, ratlos und die sich aufgegeben hat. Als sie "Hallelujah" nach dem Original von Leonard Cohen singt, spiegeln sich ihre Emotionen nicht nur in ihren Augen. Ihr ganzer Körper steht unter Spannung.
Conrad Waligura gibt seiner Figur Maik Klingenberg einen ganz eigenen Ton. Er lässt hier und da Pausen zu, um die bedeutungstragenden Worte wirken zu lassen. "Es ist ein überragend guter Jugendroman und ein faszinierender Stoff für ein Bühnenstück", erklärte der Darsteller.
Tschick hingegen, gespielt von Peter-Benjamin Eichhorn, ist mit seiner großen, russisch-akzentuierten Klappe der Spaßvogel des Stückes und provoziert das Gelächter des Publikums. Allein in seinem blauen, ärmellosen Shirt und mit der Tüte eines Billigdiscounters bestückt, ergibt sich ein herrliches Bild von ihm. Mit Sprüchen wie "Alle waren beige" über ein paar Rentner hat er auch die Lacher der älteren Zuschauer auf seiner Seite. Als Tschick Maik sagt, sie würden in die Walachei fahren, versucht dieser ihm zu erklären, dass es diese Gegend nicht gibt. Tschick: "Klar gibt es das. Hast du in Geometrie nicht aufgepasst?" Denn so ist das Stück eben auch: Witzig, ohne dass dabei die Tiefe der Geschichte verloren geht.
Darsteller Ireneusz Rosinski schafft es immer wieder, den Zuschauer vergessen zu lassen, welche Rolle er in den Minuten zuvor verkörpert hat. Er gibt jeder Figur eine neue Note.
"Lebe jetzt, in diesem Augenblick ist die Aussage, die wir ebenso wie Wolfgang Herrndorf in seinem Roman vermitteln wollen. Wichtig ist auch die Offenheit der beiden Jungs für die verschiedenen Lebensmodelle, die ihnen begegnen", erklärt Regisseur Jens Heuwinkel.
Am Ende hat sich der Nebel gelegt. Klar und deutlich stehen die vier Darsteller vor ihrem Premierenpublikum und lassen sich nach ihrem zweistündigen Spiel mit stehenden Ovationen feiern.
Vorstellungen: 10. 6., 19.30 Uhr, 17. und 18. 6., 10.30 Uhr, im Intimen Theater der Uckermärkischen Bühnen, Tel. 03332 538111
Geben alles auf der Bühne: Peter-Benjamin Eichhorn (l.) als Tschick, Conrad Waligura, der den Außenseiter Maik Klingenberg spielt, und Larissa Puhlmann. In dieser Szene ist sie als Krankenschwester zu sehen - eine ihrer vielen Rollen in der Inszenierung. Foto: Udo Krause
Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt zeigen Wolfgang Herrndorfs "Tschick"
Bei dem Satz "Alle waren beige" lachen auch die älteren Zuschauer