Zu diesem Zweck lud das 1992 als Landesjugendsinfonieorchester Brandenburgs gegründete, sich aus dem Spitzennachwuchs der öffentlichen Musikschulen rekrutierende Ensemble ins Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt ein. Bereits zum dritten Mal arbeiteten sie dabei mit dem israelisch-amerikanischen Dirigenten Yoel Gamzou zusammen. Und machten ihrem Ruf, eines der profiliertesten Jugendsinfonieorchester Deutschlands zu sein, erneut alle Ehre.
Der große Saal war bis unters Dach mit Zuhörern gefüllt, die sich durch das klassizistische Interieur fast wie im legendären Wiener Neujahrskonzert gefühlt haben dürften. Ein anspruchsvolles Programm, angesiedelt zwischen Liebesträumen und Walzerseligkeit, sorgte für eine weitere Imagination. Mit spürbarer Begeisterung und exzellentem Können war jeder einzelne bei der gemeinsamen Sache. Faszinierend geschmeidiger Klang, präzises Zusammenspiel und Gespür für dynamische Nuancen bestimmten die eingangs erklingende "Fledermaus"-Ouvertüre von Johann Strauß. Walzerelegant, melodienselig und federnd waren ihre Feinheiten ausgebreitet. Präzise Bläsereinsätze, flinke Läufe der Streicher und genussvolles Schwelgen – so manches Profiorchester könnte da vor Neid erblassen.
Stehende Ovationen als Lohn
Mit schwebender Leichtigkeit und zupfsicherer Harfenistin (Julia Grünbaum) wurden Josef Strauss’ "Sphärenklänge" musiziert; quirlig sowohl dessen "Jokey"-Polka als auch der "Vergnügungszug" und "Egyptischer Marsch" von Bruder Johann. Der setzte mit seinem, in imperialem Glanz erklingenden "Kaiserwalzer" mit exquisiten Cello-Soli (Constantin Heise) dem ersten Teil das Sahnehäubchen auf.
Nach der Pause waren die Musiker mit Sergej Prokofjews anspruchsvoller Ballettsuite "Romeo und Julia" nicht weniger stark gefordert. Vorzüglich und größtenteils auch intonationssicher, wie sie Brutales und Gleißendes, Keckes und Skurriles, Liebevolles und Martialisches gestalteten. Ebenso hinreißend, wie rhythmisch akkurat Rührtrommler Jonas Neumann das markante Thema des "Bolero" von Maurice Ravel 169 Mal zu schlegeln verstand. Nicht weniger exzellent der langsame Spannungsaufbau durch die nach und nach hinzutretenden Instrumente bis hin zur orgiastischen Spannungsentladung. Dafür gab es stehende Ovationen.