Sein Diener Sosias (Michael Schrodt) bekommt Ärger und Prügel, weil er als Double von Merkur (Markus Kaloff) mitmachte. Identitäten kommen ins Wanken. Wer bin ich? Und wenn ja wie viele? Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Frauen nicht minder. Auch Sosias’ Frau Charis (Nele Jung) hat’s nicht leicht, weiß sich aber resolut zu behaupten.
„Amphitryon“ war schon für Molière ein Komödienstoff, den Heinrich von Kleist (1777–1811) noch ein wenig deutscher und komplizierter strickte. Regisseurin Julia Hölscher, die sich in Potsdam mit Büchners „Woyzeck“ so nachhaltig eindrucksvoll präsentierte und in Dresden gerade sein „Käthchen von Heilbronn“ inszenierte, kann mit dieser geistvoll-erotischen Komödie offensichtlich nicht viel anfangen. Sie zerrinnt ihr in nur 75 Minuten und hinterlässt wenig Eindruck.
Die Schieflage beginnt schon in der Ausstattung. Das weiße Rund müsste durch die Kostüme (Mascha Schubert) Profil gewinnen. Das indes geht gründlich schief. Die Götter scheinen aus einem Prekariatsolymp zu den Sterblichen geflohen zu sein. Sie sind schon äußerlich farblos und nichtssagend.
Was ihnen Charakter geben müsste, ist Kleists unverwechselbare Sprache. Dessen Ton und Diktion wird aber kaum getroffen. Allein Peter Pagels Jupiter kommt ihr nahe. So fällt auch die Zeichnung der Menschen wenig fesselnd aus. Da gibt es ja ein heikles Feld zu beackern, um deutlich zu machen, dass es auch ein Spiel um Lust und Liebe ist. Die Regie, die die Verwechslungsgefahr zwischen Jupiter und Amphitryon nicht deutlich macht, schafft eine schreckliche Gemeinsamkeit: die beiden erotischen Helden und Götter treten im Feinripphemd auf und dozieren entsprechend kleinkariert. Das wunderbare, am Theater kostbare „Ach“, für jede Alkmene sonst triumphaler Gruß ans Publikum, w ird einfach weggenuschelt. Und vom Sohn Herkules, der dem Ehepaar beschert werden sollte, ist auch nicht mehr die Rede.
Vorstellungen: 10., 18. März, 8., 13., 17. April, Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam, Kartentelefon 0331 98118