Die Malerei findet neue Sujets, Frauen werden selbstbewusster, auch Männer dürfen unsicher sein und ihre scheinbar festgefügte Rolle in Frage stellen. Fünf aktuelle Ausstellungen des Landesmuseums für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder) künden davon. Verwundert blicken wir zurück in eine Zeit, die beinahe 100 Jahre zurückliegt und doch so nah ist. Nie wieder in diesem Jahrhundert waren Kreativität, Humanismus und Freiheit so nah beieinander. Vieles fasziniert noch immer: Architekten, Stadtbaumeister und Bürgerschaften arbeiteten zügig Hand in Hand. Das Bauen ging unbürokratisch schnell. Man erkannte die Probleme der Zeit: starke Industrialisierung und Wanderungsbewegungen in die großen Städte. Und versuchte – oftmals mit Erfolg – Lösungen zu finden.
Welche Lehre hinterlässt uns die Moderne? Warum gelingt es heute so schlecht, die Probleme unserer Zeit zu lösen? Ist der Wille nicht vorhanden? Die Gesetze zu starr, die Ideen zu schwach, die Egoismen zu stark? Vor den Städten entstehen Eigenheimsiedlungen, die oftmals keck mit dem beliebten Adjektiv "schmuck" versehen werden.
Manchmal wäre man schon über kleine Veränderungen froh. Konrad Wachsmann, ein gebürtiger Frankfurter, Architekt, revolutionierte in Deutschland, später in den USA, das Bauen mit Holz und perfektionierte die Fertigbauweise. Nun haben Holz und Schrauben – anders als Stahlrohr und Teekännchen – wenig Chic. Wachsmann verfügte in den USA, wo er bis zu seinem Tod lebte, dass er in seiner Heimatstadt die letzte Ruhe finden sollte. Die Stadt hat das offenbar wörtlich genommen. Bitte mehr Aufmerksamkeit für einen großen Architekten der Moderne!