Nein, die Entscheidung ist, und das war unter den Umständen nicht zu erwarten, mutig. Handke ist unbestritten ein meisterhafter Autor. Er ist gleichwohl höchst umstritten, wegen seiner erklärten Sympathie für Serbien im Balkan-Konflikt der Neunzigerjahre. In seinem Stück "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" hatte er 1999 die Nato-Aktionen gegen Serbien verurteilt. 2006 hielt er, eigensinnig und unbelehrbar, auf der Beerdigung von Slobodan Milosevic eine Rede.
Schon bei fast jeder Preisverleihung an Handke hat es deshalb Ärger gegeben, beim Büchner-Preis, den er 1999 zurückgab, beim Heine-Preis 2006, den er ablehnte, beim Ibsen-Preises 2014, bei dem er nach heftigen Protesten sein Preisgeld stiftete. Wenn die schwedische Akademie sich nun gleichwohl für das literarische Werk und nicht für die politische Haltung entscheidet, beweist sie, was in Zeiten der Political Correctness keine Selbstverständlichkeit mehr ist: Hochachtung vor Meinungsfreiheit. Unabhängigkeit. Und Mut.