Konzert: Die wunderbare Welt des Howard Carpendale

Howard Carpendale ist vier Mal in Berlin zu der Show seines Lebens aufgetreten. (Symbolfoto)
Sebastian Willnow/dpaFrisch, ausgeruht, gut gelaunt und so, wie ihn sich seine Fans wünschen. Mehr als drei Stunden lang entführte Carpendale sein Publikum auf eine Schlager–Zeitreise, die 1966 in Deutschland beginnt.
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Seit 50 Jahren steht der Sänger auf der Bühne. Für ihn ein Grund zum Feiern, und das setzt er nach dem Auftakt seiner neuen Tour vergangene Woche in Rostock mit einem Konzertmarathon in Berlin um. Denn mit Berlin verbindet den Künstler viel: Hier startete er seine Karriere, hier war er immer wieder mit seinen Songs in der ZDF–Hitparade bei Dieter Thomas Heck zu Gast. Hier, sagt er, pulsiert für ihn das Leben, und das Berliner Publikum ist der Gradmesser dafür, ob seine Shows den Nerv seiner Fans treffen.
Die Show seines Lebens ist Nostalgie pur. Nicht allein wegen „Hello again“, „Samstagnacht“ und „Ti Amo“. Songs, die Carpendales Leben prägten und die Garant für seine dauerhafte Präsenz auf der Bühne sind. Der Carpendale im Jahr 2020 ist einer, der mit seinem Alter kokettiert, nicht nur singt, sondern mit Anekdoten Entertainer–Qualitäten beweist. Als sein Sohn Wayne ihn darum bat, auf seiner Hochzeit zu singen, fragt der Vater ihn, ob er das seinen Gästen wirklich antun will. Dann verriet Wayne, dass es kein Carpendale–Song sein soll, sondern „What a wonderful world“ von Louis Armstrong, und dass der Vater das Lied bitte nicht mit seiner so typischen Stimme, sondern möglichst mit der des Originals interpretieren soll. Er tat es. Auch Sonntagabend. Seine Version des Klassikers ist eine, die man ihm stimmlich kaum zugetraut hätte. Das Publikum in Berlin ist aus dem Häuschen.
Doch damit nicht genug. Er dreht in seiner Show die Uhr zurück, wohl wissend, dass in der Verti Music Hall größtenteils Fans sitzen, die mit der ZDF–Hitparade groß geworden sind. Auf der Schlager–Zeitreise geht er deshalb musikalisch auch einmal fremd — mit der Münchner Freiheit ("Ohne Dich") oder Peter Maffay ("So bist Du"). Der Carpendale 2020 ist sogar politisch. Wenn er das nicht wäre, sagt er, hätte er in seinem Leben etwas falsch gemacht. Zwei Minuten bittet er seine Fans, ihm zuzuhören, und er echauffiert sich über die Welt, über deren Schicksal wenige einflussreiche Leute und Lobbyisten entschieden, und macht sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder und seines Enkels Mads.
Mit Witz, seinem unnachahmlichem Akzent und natürlich seinem Repertoire aus fünf Jahrzehnten Musikgeschäft beschert Carpendale Berlinern und Brandenburgern vier Abende hintereinander ein Konzerterlebnis, das längst noch nicht nach Abschied klingt.