Ich falle vor Aufregung fast in Ohnmacht, a-ha hautnah. 7. März 1991 – mit Vokuhila und dicker Brille habe ich mich als 14-Jährige in der Berliner Deutschlandhalle in die zweite Reihe gekämpft. Umwerfend gut aussehend, bescheren mir die Norweger Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen mein erstes Konzerterlebnis. Ein unaufgeregter, wohlig-reduzierter Auftritt brennt sich in mein Gedächtnis ein.
27 Jahre später stehen sie wieder vor mir, mit grauen Schläfen, die Gesichter gegerbt von skandinavischen Winden – aber noch immer sehr ansehnlich. Wer denkt, die 1980-Jahre-Popper fegen nach Applaus heischend über die Bühne, der irrt. Damals und heute haben sie sich ihre Entspanntheit bewahrt, ruhen ganz in sich.
Sie sind mit „MTV Unplugged“ unterwegs, das perfekte Konzept für die Mannen – einfach mal den Strom kappen. So ganz ohne elektrisch-unterstützten Sound geht es aber natürlich doch nicht, schon gar nicht in dieser großen Halle. A-ha gelingen es am Montag, in der sonst  tontechnisch heiklen Mercedes-Benz Arena die Atmosphäre eines Klubkonzertes zu schaffen. Cello, Violinen, Cembalo, Klarinette erklingen – „Hunting High And Low“, „The Living Daylights“ und „Stay On These Roads“ modern arrangiert.
Wie gebannt hört das Publikum ihren in die Jahre gekommenen Helden zu, es gibt keine Stehplätze. Dass man die Handys in der Tasche lässt, das wünscht sich das Trio. Nur wenige halten sich nicht daran. Es wird still genossen. Keyboarder Furuholmen ergreift sparsam das Wort, wünscht auf Deutsch eine „schöne musikalische Reise“, stellt ausführlich die Musiker vor.
Harket kämpft mit der Technik, fummelt ständig an seinem In-Ear-Ohrhörer herum, jammert und beißt sich aber durch. Wohl eine Macke des 58-Jährigen, von seinen Musikerkollegen belächelt. Er sitzt am hinteren Ende der runden Bühne. Der ehemalige Posterboy, der übrigens fünf Kinder von drei Frauen hat, lächelt nicht, wirkt introvertiert – völlig auf die Musik konzentriert, die Hände verkrampft vor sich.
Seine ungewöhnliche Stimme ist stark, kann mühelos bestehen, eine männliche Fee. Die Bildregie ist perfekt abgestimmt. Auf Leinwänden über der Bühne sind vor allem die Hauptakteure schemenhaft zu sehen, im Hintergrund reist man durch in Sepia eingetauchte nordische Landschaften, Fjorde. Es geht nicht darum, tausend Feuerwerke abzuschießen oder die Outfits alle fünf Minuten zu wechseln. Ein paar Leute treffen sich, um einfach gute Musik zu hören.
Nach eineinhalb Stunden bricht es aus den Konzertbesuchern regelrecht heraus, bei „The Sun Always Shines On T.V.“ erheben sich 8500 Menschen von ihren Sitzen, brausender, nicht enden wollender Applaus – Morten lächelt das erste Mal. Alle sind glücklich. Er spricht sogar und stellt seinen Lieblingssong aus der Jugend, „Sox Of The Fox“, vor. Erst in diesem Moment merkt man, wie konzentriert die Fans a-ha gelauscht haben. Nicht zu verwechseln mit Langeweile oder Lethargie! Die Atmosphäre ist gelöst.
Und schon sind sie fast wieder entschwebt, als Zugabe kehren die drei allein zurück auf die Bühne – so wie vor 27 Jahren. Die Akustikversion ihres Welthits „Take On Me“ lässt die Massen wieder verstummen, rührt zu Tränen. Pärchen liegen sich in den Armen. Ein wunderbares Konzert. A-ha sind alles andere als eine abgehalfterte Gruppe, die mit alten Erfolgen tourt. Ihr Sound ist so frisch wie nie – a-ha, die entspannteste Band der Welt und Augenschmaus.