Zweijährige Rekonstruktion
Für "Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne" (4.9.–30.11.) im Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde der Bilderatlas in zweijähriger Arbeit aus rund 400 000 Objekten rekonstruiert. Etwas früher, aber weitgehend parallel dazu (8.8.–1.11.), ist in der Gemäldegalerie die Ausstellung "Zwischen Kosmos und Pathos – Berliner Werke aus Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne" zu sehen. HKW-Intendant Bernd Scherrer und Gemäldegalerie-Kurator Jörg Völlnagel freuen sich mit Blick auf die Ausstellung in der Gemäldegalerie über ein "gemeinsames Projekt", das innerhalb von nur einem Jahr entstanden sei und "neue Zugänge" ermögliche.
Gezeigt werden etwa 50 Objekte aus dem Sammlungsbestand der Berliner Museen. Die Kunstwerke, die Warburg als Vorlagen seiner enzyklopädischen Bildersammlung dienten, umfassen dabei eine Spanne von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Neuzeit. So ergibt sich wie im Bilderatlas auch in der Ausstellung eine selten zu sehende Nähe sehr unterschiedlicher Kunstwerke und Zeitepochen. Warburg verknüpfte etwa das Kunstthema Nymphe mit einer Venus von Botticelli und einer Abbildung auf dem Cover eines Kochbuches aus den 1920er-Jahren.
Besonderes Augenmerk wirft die Ausstellung auf eine Brautschachtel aus Norwegen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Thema der Malerei – ein Streit von sieben Frauen um eine Hose als Symbol für den Kampf um wirtschaftliche Sicherheit und Nachfahren – ist auch etwa aus der Renaissance in Italien und nördlich der Alpen bekannt. Für Warburg ein Zeichen, wie Kultur Grenzen und Zeiten überschreitet und Beziehungen knüpft.