"Es ist schön, im Erdgeschoss in einer Landschaft zu sein", sagt Harald Metzkes, der Jahrzehnte zuvor über den Dächern Berlins in Prenzlauer Berg gelebt und gearbeitet hat, auf die Frage, warum er Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Frau Brandenburg als seinen endgültigen Lebens- und Schaffensort gewählt hat. So ideal auch Wohnung und Atelier in der Kollwitzstraße gewesen seien, "hoch über den Bäumen der Stadt, aber viel schöner ist es doch, ebenerdig zu leben". Dazu kam für Metzkes "dieser wunderbare rote Landbauklassizismus der in Brandenburg schlicht gebauten Häuser, das hat uns sofort überzeugt".
Harald und Elrid Metzkes bemerkten schon bald nach dem Fall der Mauer, dass sich der Prenzlauer Berg und damit auch die von ihnen seit den 1960er-Jahren bewohnte Kollwitzstraße in kurzer Zeit veränderten. Dass sich dieser Kiez nicht erst nach 1989 wandelte, sondern schon zu DDR-Zeiten die Neubaugebiete Marzahn und Hellersdorf mit ihrem "Wohlfühlkomfort attraktiv wurden und viele dorthin zogen, weil sie warmes Wasser aus der Wand, Fahrstuhl und andere Bequemlichkeiten zu schätzen wussten", hatte die sich im Prenzlauer Berg angesiedelte Künstlerszene dort längst manifestiert.
Es sei eine private Entscheidung gewesen, 1992 ins brandenburgische Wegendorf (Märkisch-Oderland) zu ziehen, erklärt der am 23. Januar 1929 im sächsischen Bautzen geborene Harald Metzkes. Sein Schwiegersohn, der Kunstgießer Wilfried Hann, hatte hier in der Alten Poststraße einen Vierseithof gefunden und begonnen, ihn für seine Profession auszubauen und das märkische Oderland als Lebensraum für seine Familie zu gewinnen. In der ehemaligen Scheune sollte sich genügend Platz für die Ateliers des Künstlerpaares Harald und Elrid finden.
Die 1932 im sächsischen Pirna geborene Künstlerin hatte - wie Harald Metzkes auch - ihren Beruf von der Pieke auf gelernt. Er als Steinmetz, sie als Damenschneiderin. Nach dem Studium an der Burg Giebichenstein, an der Willi Sitte ab 1951 eine Professur für Textilgestaltung inne hatte, beendete Elrid Metzkes ihre Ausbildung an der Kunstakademie Dresden, wo auch Harald Metzkes bei Wilhelm Lachnit und Rudolf Bergander studiert hatte.
Nach der Wiedervereinigung trat Harald Metzkes aus der Berliner Akademie der Künste, an der er 1955 Meisterschüler von Otto Nagel geworden war, aus. Ihm behagte nicht, dass sich die nach dem Mauerfall vereinigenden Ost- und West-Kunstakademien über ostdeutsche Künstlerbiografien "bedenkenlos hinwegsetzten".
Als Sekretär der Sektion Bildende Kunst der Ost-Akademie stand Metzkes dieser Art der Vereinigung äußerst kritisch gegenüber. "Ich frage mich, wer hat die dreibuchstabigen Kürzel an das Wort ,Kunst' geflickt? Das Individuum kann sich sozialisieren, ohne sich zu verlieren; der Künstler kann entsprechende Verbindungen aufnehmen und anknüpfen, wo es ihm gefällt. Aber der Kürzelstempel schwebt immer über ihm - und er in der Gefahr, zum dazugehörigen Stempelkissen zu werden, auf das der Stempel haut, um die ganze Umgebung zu bedrucken." Mit Heiner Müller, dem letzten Präsidenten der Ost-Berliner Akademie der Künste, hätte sich der im Grunde friedfertige Maler Metzkes gern über dieses Vorgehen auseinandergesetzt.
Es war kein Rückzug, als die Metzkes in die Gegend um Altlandsberg zogen und so eine Form fanden, ein staunenswertes Modell für ein Familienleben zu erproben. Mit Staffelei und Webstuhl brachen sie nicht zu den inzwischen auf dem Land lebenden Kindern auf, vielmehr schufen sie sich in der Nähe zur Natur, deren Werden und Vergehen eine neue Lebenswelt und damit auch in ihren nicht mehr jungen Jahren eine sie selbst überraschende Herausforderung.
Harald Metzkes widmet sich nach der jahrzehntelangen städtischen Erfahrung in seiner Aufmerksamkeit und seinen Sujets dem Land und den Leuten dieses schon zu DDR-Zeiten jenseits von Strausberg vergessenen Landstrichs. Dieses Eintauchen in die scheinbare Idylle passt in das sich verändernde Lebenskonzept der Familie. Die acht Enkelkinder widmen sich technischen Phänomenen, "eine Unterbrechung", der das Künstlerpaar Harald und Elrid Metzkes gelassen entgegensieht. Ohnehin bleibt die Familie in ungezählten Bildern festgehalten, entstanden in Jahrzehnten eines beispielhaften Schaffens.
Ja, es möchte einem fast unheimlich werden, die engen Verbindungen, das Beieinandersein dieser in mehreren Generationen zusammenlebenden Familie wahrzunehmen. Die neuen Lebensumstände entmystifiziert Metzkes selbst auf "bildschöne", aber entschiedene Weise, wenn er zum Beispiel großformatig eine Radfahrerin malt, die im Fallen noch ihren Widersacher, einen freilaufenden Hund, streichelt. Wie stets bleibt der Künstler auch hier ganz bei sich.
Es ist ein Glück, Harald Metzkes als Zeitzeugen in einer unbestechlichen Gedankenwelt, einem wachen Erinnerungsvermögen, schelmisch die Zeitläufte kommentierend, bei sich zu wissen. Insofern führt die Freude auf die Ausstellungen, die das Leonhardi-Museum Dresden, die Berliner Galerien Leo.Coppi und Galerie Pankow dem Künstler zu seinem 85. Geburtstag widmen, zu einem Spiegel, in dem sich ein Lebenswerk mit dem im zeitlichen und ideologischen Umfeld der Biermann-Ausbürgerung 1977 entstandenen "Januskopf", den Arbeiten für die Volksbühne und seinen ungezählten Frauenbildnissen vollendet.