Mit dieser Geschichte des eifersüchtigen Tyrannen startete vor 18 Jahren das Hexenkessel Hoftheater in Berlin eine Erfolgsgeschichte, die in Hinterhöfen im Prenzlauer Berg begann und nun im Amphitheater nahe dem Bodemuseum im Sommer Tausende Besucher anlockt. Im Zentrum des künstlerischen Programms standen immer wieder Shakespeare-Werke. Mit der „Wintermärchen“-Inszenierung von Jan Zimmermann kehrt das Hoftheater zu seinen Anfängen zurück und beweist erneut, dass es immer dann am stärksten ist, wenn es sich den großen Dramen dieser Welt widmet. Dabei ist dieses Stück tatsächlich nur im ersten Teil als Drama zu bezeichnen. Da geht der Argwohn des Königs so weit, dass er den Mord am Freund in Auftrag gibt. Doch Polixenes kann fliehen, während die arme Hermione ihr Kind im Kerker zur Welt bringen muss. Dabei bestätigt das Orakel von Delphi eindeutig die Unschuld der Königin. Der Herrscher bleibt trotzdem uneinsichtig, lässt sein Töchterlein aussetzen, verliert auch den Sohn, worauf die Gattin anscheinend tot zusammenbricht.
Dann erfolgt ein Zeitsprung von 16 Jahren und damit der Wandel zur Komödie. Perdita, die Tochter, lebt bei einem Schäferpaar. Sie ist verliebt in Florizel, den Sohn von Leontes Widersacher und Perditas vermeintlichem Vater Polixenes. Als dieser die unstandesgemäße Liebschaft entdeckt, beschließt das Paar zu fliehen. Am Ende dürfen nicht nur die beiden glücklich werden, sondern auch Hermione ersteht von den Toten auf – Leontes erkennt sowohl die Tochter als auch den Irrtum, und der großen Versöhnung steht nichts mehr im Wege. Ende gut, alles gut.
Aus der Geschichte hat Jan Zimmermann ein munteres Rollenspiel gemacht, das zu einem Rausch der Farben und Kostüme (Isa Mehnert) wird. Matthias Horn ist ein despotischer Leontes, der mit aller Bitterkeit ins eigene Verderben stürzt. Claudia Graue überzeugt als missverstandene Königin Hermione genauso wie als fröhlich-unbeschwerte Perdita. Andreas Köhler kommt als rockender Florizel stimmlich an seine Grenzen, während Roger Jahnke nicht nur als Nebenbuhler Polixenes, sondern auch in drei weiteren Rollen seine Wandelbarkeit demonstriert. Bunt gemischt ergibt sich ein fröhliches Sommertheater, das allerdings immer dann besonders überzeugt, wenn in leisen Tönen der Liebe und dem Schmerz gehuldigt wird.
Bis 16. Juli, Hexenkessel Hoftheater, Monbijou-Park, Berlin-Mitte, Kartentelefon 030 288866999