„Leipzig liest trotzdem!“ Unter diesem Motto soll sich am dritten März-Wochenende wieder alles um Bücher, Autoren und Leser drehen. Weil die Leipziger Buchmesse zum dritten Mal abgesagt wurde, ergriffen Verleger die Initiative und strickten ein Angebot mit 60 Verlagen und etwa 100 Lesungen.
Die PupUp-Buchmesse findet zum geplanten Messetermin statt: Vom 17. bis 20. März. Hier finden Sie alles zu Programm, Preisen und Veranstaltungen.

Lesungen aus Österreich und Portugal

Mit dem „Wilden Österreich“ geht¹s los: Das Gastland 2023 stellt sich in der morbid-schönen Schaubühne Lindenfels vor, das „1. Wiener Heimorgelorchester“ spielt dazu.
„Unerwartete Begegnungen" mit Literatur aus Portugal gibt es hier am nächsten Tag.
Das „blaue Sofa“, sonst Zuschauermagnet in der Messe-Glashalle, wird in der Kongresshalle am Zoo aufgestellt, 45 Autoren nehmen hier ­ bei freiem Eintritt ­ Platz, auch die Gewinner des Leipziger Buchpreises. In Anlehnung an die sehr populäre „Leipzig liest“-Reihe gibt es so wenigstens ein kleines Lesefest, dazu eine Buchmesse im Miniformat.

Die Pop-Up-Messe in „Werk 2“

Die Pop Up-Buchmesse soll weder Protest- noch Gegenveranstaltung zur Leipziger Buchmesse sein, auf deren Rückkehr alle hoffen. Und so mischen sich unter die unabhängigen Verlage durchaus auch größere: Suhrkamp, Hanser, Aufbau und Schöffling sind dabei, aus Österreich die Verlage Residenz sowie Kremayr & Scheriau. Mehr als 60 Verlage waren im „Werk 2“, dem alternativen Kulturzentrum im Szeneviertel Connewitz, einfach nicht unterzubringen. „Ein bißchen Trotz, vor allem aber unsere Verantwortung für die Autoren“ lässt auch Michael Faber (Verlag Faber & Faber) an der PopUp-Messe teilnehmen. Zwar muss man ohne die Infrastruktur der Messe auskommen, „aber Improvisieren sind Verleger ja gewohnt“. Damit seine Autoren (Roswitha Quadflieg, Désirée Opela, Clemens Meyer) wieder "sichtbar sind", macht Faber auch bei #buchbesuch mit.

Hausbesuche bei den Leipziger Verlagen

Auf Initiative des Klett-Kinderbuchverlags öffnen dabei einige Leipziger Verlage am 18. März ihre Türen. „So können die Besucher kurz reinschnuppern an dem Ort, wo unsere Bücher entstehen“, sagt Geschäftsführerin Monika Osberghaus, die auf „schöne Gespräche“ hofft: „Wir sind da.“ Weil der Verlag „extrem Corona-gebeutelt“ ist, bittet man um Anmeldung: info@klett-kinderbuch.de

Literaturstars live in Lesungen

Alexander Osang liest in den „Cammerspielen“, Ursula Krechel ebenfalls; Joshua Cohen erklärt in der „Suedbrause“ den Doppelsinn des Wortes „Witz“ (sowohl ’SohnŒ als auch ’ScherzŒ). Mit Mathijs Deen erscheint „Der Holländer“ auf der Messe im Werk 2; dorthin lädt auch der PEN zum Ukraine-Forum und der Frage, „Was kann Literatur leisten?“ in diesen Zeiten. Vorgelesen wird aber auch im Felsenkeller, dem Literaturhaus, der Stadtbibliothek, im Kinderbuchladen, der Deutschen Nationalbibliothek. Also eigentlich alles wie immer in Leipzig, nur viel kleiner. Die Termine aller Lesungen finden sich hier.
Und zum Abschluß gibt es wieder Musik, diesmal aus Portugal: Rodrigo Leao spielt „A estranha beleza da vida“ am 20. März ab 18 Uhr in der Schaubühne Lindenfels, natürlich im Ballsaal.

Preis der Leipziger Buchmesse

Am Donnerstag werden die besten Bücher des Frühjahrs in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung gekürt. Je fünf Autorinnen und Autoren je Sparte sind nominiert. Der Preis ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert. Hoffnungen auf den Belletristik-Preis können sich Katerina Poladjan („Zukunftsmusik“), Dietmar Dath („Gentzen oder: Betrunken aufräumen. Kalkülroman“), Heike Geißler („Die Woche“), Emine Sevgi Özdamar („Ein von Schatten begrenzter Raum“) und Tomer Gardi („Eine runde Sache“) machen. Fast alle Nominierten der verschiedenen Kategorien werden laut Messe zur Verleihung in der Glashalle in der Leipziger Messe anwesend sein. Sie beginnt um 16 Uhr.

Buchpreis für Europäische Verständigung

Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß hat am Mittwoch Abend den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Der 67-Jährige wurde in der Leipziger Nikolaikirche für sein Buch „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“ über besondere Menschen und Orte in Europa ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. Die österreichische Germanistin, Literaturkritikerin und Essayistin Daniela Strigl sagte in ihrer Laudatio, Gauß bleibe seinem Grundsatz treu, ein „Hinschauer“ und kein Zuschauer zu sein. „Gauß ist das, was man meinungsstark nennt, aber er kehrt dabei vor der eigenen Haustür.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte ihn einen „großen europäischen Schriftsteller“.
Die Veranstaltung stand im Zeichen des Kriegs in der Ukraine. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erinnerte in seiner Rede an frühere Preisträgerinnen und Preisträger wie die russisch-US-amerikanische Schriftstellerin Masha Gessen. Diese hätten sich bereits mit dem System Putins auseinandergesetzt. „Ich muss konsterniert feststellen: Auch wir hätten besser vorhersehen können, was jetzt passiert“, sagte Jung. Vor der Verleihung versammelten sich etwa 200 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung, zu der die Stadt, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Nikolaikirche aufgerufen hatten.

Infos zur Buchmesse

PupUp-Buchmesse: Werk 2, Kochstraße 132, geöffnet 18.3. 12 bis 18 Uhr, 19. und 20.3. 10 bis 18 Uhr. Messeticket 6 Euro (für 2 Stunden Aufenthalt), für jede Lesung 3 Euro; es gilt 2G+. Alle Infos und Termine unter www.buchmesse_popup.de.