Potsdam. „Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg“ ist der Titel der neuen Dauerausstellung im Potsdamer Filmmuseum. In insgesamt sieben Themenräumen erfährt der Besucher Historisches über die ersten Filmproduktionen in Deutschland. ?500 Exponate zeigen, wie ein Film entsteht – von der Idee bis zur letzten Klappe.
Als genau vor 100 Jahren, am 3. November 1911, die Baugenehmigung für das erste Filmatelier in Babelsberg erteilt wurde, war es zugleich der Startschuss für die dienstälteste Traumfabrik der Welt. Die Ausstellung zeigt Stars, Filmtechnik und das Handwerk hinter den Kulissen, und zwar in nicht weniger als fünf politischen Systemen: Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR und schließlich Berliner Republik im Zeitalter der Globalisierung. „Die Ausstellung vollzieht die Entwicklung des Films anhand von 500 Exponaten nach“, sagte Bärbel Dalichow, die Museumsdirektorin, während eines ersten Rundgangs.
Am Anfang ist das Wort – aufgeschrieben im Drehbuch. Entstehungsgeschichten von Filmen werden erzählt und gezeigt, darunter die des ersten Kunstfilms „Der Student von Prag“ aus dem Jahr 1913 oder des NS-Propagandafilms „Jud Süß“ von 1940.
Im Raum „Mimen und Masken“ dreht sich alles um die Schauspieler. Es beginnt mit einem Casting. Jeder Besucher kann es selbst mit verschiedenen Requisiten nachvollziehen. Glamour vermitteln Starporträts von Asta Nielsen, der großen Stummfilmschauspielerin, über Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Karin Saß bis Nadja Uhl und Kate Winslett – sie alle haben in Babelsberg gedreht.
Wenn die Filmbaumeister die Kulissen errichtet haben, heißt es „Achtung Aufnahme“. Ausführlich dokumentiert werden zum Beispiel die Dreharbeiten von Fritz Langs „Die Nibelungen“ aus den Zwanzigern Jahren, auch Szenenfotos und original Baumstämme der Kulissen gehören dazu. Dem DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ wird vielRaum gewidmet. So sieht man in einem Bett die Hauptdarstellerin Angelica Domröse in Lebensgröße aus Pappe. Im Hintergrund laufen Szenen des Films von Regisseur Heiner Carow auf einem Bildschirm. „Alles auf Anfang, wir hatten einen Fussel auf der Linse“ – mit solchen Sprüchen und den typischen Geräuschen am Set machen akustische Einblendungen die adrenalingesättigte Atmosphäre bei Filmaufnahmen spürbar.
Schon fast aus der Mottenkiste des Films stammen die Exponate der Montage-Abteilung. Am Schneidetisch war der Arbeitsplatz vieler Frauen. Der Raum ist mit einer extra für das Museum entworfenen Tapete von der Designerin Grit Wendicke tapeziert.
Die Abteilung zu den Themen „Musik und Ton“ bietet den Besuchern wie in einer Karaoke-Bar an, mit Zarah Leander zu singen oder auszuprobieren, wie sich die Wirkung eines Films mit der Musik verändert, etwa wenn bei „Emil und die Detektive“ ein schwülstiger Hollywood-Sound erklingt.
Der siebte Raum heißt „Premiere“, alleMitarbeiter an einem Film hatten diesen Moment fest im Blick während ihrer monatelangen Anstrengungen. Ein Kassenhäuschen und ein klassisch rot gehaltenes Kino mit Sitzen aus drei Epochen laden zum Filmeschauen ein.
Die Ausstellung „Traumfabrik“ ist durch ihr Thema, die Geschichte der Babelsberger Studios zu zeigen, sehr vielseitig. Es gibt Historisches und Technisches zu entdecken. Nebenbei werden kleine Geschichten der Stars erzählt, etwa anhand der afrikanischen Puppe von Marlene Dietrich, die ihr Josef von Sternberg während der Dreharbeiten zu „Der blaue Engel“ zum Geschenk machte. Die Schauspielerin hatte den Talisman am Set immer bei sich zum Knuddeln gegen Lampenfieber – was das strapazierte Äußere der Puppe beweist.
„Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg“, ab 4. November als ständige Ausstellung im Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1A, Potsdam, Di bis So von 10-18 Uhr, Tel.: 0331 271810