(aktualisiert am 24.10., 11 Uhr)
Aktivisten der Klimaschutz-Protestgruppe „Letzte Generation“ haben im Museum Barberini in Potsdam eine Attacke auf ein wertvolles Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet verübt. Ein Bild aus der Serie „Les Meules“ (Getreideschober) sei am Sonntag mit einer zähflüssigen Masse bespritzt worden, berichtete Museumssprecherin Carolin Stranz.
Dabei soll es sich um Kartoffelbrei handeln. „Da das Bild verglast ist, hat es der umgehenden konservatorischen Untersuchung zufolge keinerlei Schäden davongetragen“, hieß es in einer Mitteilung am Abend. Bereits am kommenden Mittwoch soll das Werk wieder in den Ausstellungsräumen zu sehen sein. Insgesamt seien vier Personen an der Aktion beteiligt gewesen.

Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

Polizeisprecher Mario Heinemann berichtete, Beamte hätten im Museum in Potsdam zwei Personen in Gewahrsam genommen. Die beiden sollen gegen 15.00 Uhr das Gemälde mit einer Flüssigkeit überschüttet und sich anschließend daneben festgeklebt haben. Gegen die beiden Personen werde wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung ermittelt. Die beschuldigten Klimaaktivisten sind schon wieder wieder auf freiem Fuß. Die beiden Personen seien am Sonntag nach einer Befragung auf dem Revier aus dem Gewahrsam entlassen worden, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion West am Montag auf Anfrage.
Museumssprecherin Stranz sagte, eine Restauratorin untersuche das Gemälde auf Schäden. Der Kartoffelbrei sei aber schnell abgenommen worden. Außerdem sei das Gemälde mit einer Glasscheibe geschützt gewesen. Vor ein paar Tagen habe es bereits einmal Hinweise gegeben, dass Umweltaktivisten eine Aktion im Museum durchführen könnten, berichtete die Sprecherin. Dies habe das Sicherheitspersonal aber verhindern können. Weiter äußerte sie sich dazu nicht.
Museumsdirektorin Ortrud Westheider sagte dazu: „Bei allem Verständnis für das drängende Anliegen der Aktivisten angesichts der Klimakatastrophe bin ich erschüttert über die Mittel, mit denen sie ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen suchen. Gerade in den Werken der Impressionisten sehen wir die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur.“ Solche Landschaftsgemälde könnten Besucherinnen und Besuchern auch dazu Anstoß geben, „ihre Beziehung zur Umwelt zu reflektieren und zu hinterfragen“.

Video auf Twitter veröffentlicht

Die Protestgruppe veröffentlichte auf Twitter ein Video von der Attacke auf das Gemälde und erklärte, es sei Kartoffelbrei auf das Bild geworfen worden. Die Gruppe forderte in der Erklärung am Sonntag von der Politik wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels. Vor gut einer Woche hatten Umweltaktivistinnen das Gemälde „Sonnenblumen“ (1888) des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh in der National Gallery in London mit Tomatensuppe beworfen. Dabei wurde der Rahmen leicht beschädigt.
Das Bild aus der Serie „Getreideschober“ hängt in der Dauerausstellung des Museums Barberini aus der Sammlung des Stifters und Multimilliardärs Hasso Plattner.

Franktion BVB / Freie Wähler fordert Strafrechtsverschärfung

Die Landtagsfraktion BVB / FREIE WÄHLER fordert angesichts zunehmender Attacken auf Kunstwerke unschätzbaren Wertes eine spürbare Strafrechtsverschärfung. Hierzu erklärt Fraktionsvorsitzender Péter Vida: „Man muss die Dinge beim Namen nennen: Es handelt sich um selbstsüchtige Aktionen zum Schaden der Allgemeinheit. Die angeblichen Klimaprotestierer verschwenden dabei auch Lebensmittel, was deutlich unterstreicht, dass hier keine hehren Motive im Spiel sind. Wir müssen dieser Unkultur der Bilderstürmerei auch mit einer Verschärfung des Strafrechts begegnen.“ Diese Formen des vorgeblichen Klimaprotestes häufen sich und dienen ausschließlich der persönlichen, medialen Inszenierung. Mit Umweltschutz, Debatte oder Protest haben sie nichts zu tun. Vielmehr werden Kulturgüter, die mitunter Epochen der Kunstgeschichte geprägt haben, in bedrohlicher Form angegriffen. Dies gefährdet den Erhalt prägender Kunstschätze und erfolgt zum Nachteil der Museumsbesucher. Viel zu oft werden solche Attacken als kreative Protestform verharmlost.