Sieben Alben in 26 Jahren sind nicht gerade viel. Zwei dann in einem genau das Gegenteil. Doch Garbage sind nicht etwa fleißig geworden. Die Amis mit britischer Frontfrau feiern einfach ihren dritten Longplayer und sich selbst.
Mit Kurt Cobain starb Mitte der 1990-er nicht nur der Grunge, sondern auch der Rock. Genau in diese Zeit hinein brachten Garbage ihr erstes und dann das zweite Album heraus und konnten durchaus einigen Erfolg verbuchen. Das mag vielleicht an Butch Vig gelegen haben, der schon für Nirvana und die Smashing Pumpkins gearbeitet hatte und als der Mann hinter Garbage galt. Zudem platzierte man mit „Only Happy When It Rains“ und „I Think I’m Paranoid“ zwei veritable Hits. Für die dritte Langrille lag also die Messlatte hoch.
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An der wollte sich die Band dann aber gar nicht orientieren und schlug musikalisch einen anderen Weg ein. Schließlich waren seit „Version 2.0“ schon wieder drei Jahre vergangenen, das neue Jahrtausend angebrochen. „Beautifulgarbage“ öffnete sich so anderen Stilen und Einflüssen. Mit denen hatte die Band aber schon während der Tour zum Vorgänger experimentiert. „Silence Is Golden“ und „Til the Day I Die“ stammen aus dieser Zeit. Von den Girl-Groups der 1960-er bis hin zum HipHop der 80-er wurde der Bogen gespannt.

Einfach gejammt

Und auch, wenn Shirley Manson weiterhin meist stoisch am Mikrofon stand, die Songs wurden melodischer, musikalisch vielschichtiger, in der Struktur aber einfacher. „Gitarre, Bass und Schlagzeug - Shirley singt“ wird Butch Vig die Produktion später einschätzen, alles ging schneller und entstand bei Sessions im Studio.
Es wurde gejammt und die Texte ergaben sich dann einfach. Dies ist den meisten der 13 Songs dann auch irgendwie anzuhören. Spielfreude kreuzt sich mit frischen Ideen. Dazu sind die Lyrics deutlich direkter als gewohnt. Die Mischung aus teils fetten Beats und Gitarrenwänden, mitunter hypnotischem Gesang und einem ordentlichen Schuss Elektronik rücken Garbage in ein neues Licht und klingen heute noch recht unverbraucht. Dabei sind die Stücke ja mittlerweile 20 Jahre alt.

Schmelz von Stimme und Vinyl

Zum runden Geburtstag nun hat die Band die Scheibe wieder aufgelegt und die Originale einem Remastering unterzogen. Das ist sicher zu weiten Teilen mit dafür verantwortlich, dass Track um Track so fett und zugleich feingliedrig aus den Boxen kommt. Das schwere Vinyl gibt den Liedern dazu eine Stimmung mit, die Shirley sicher gefällt.
Denn der Schmelz im Klang unterstützt die Portion Melancholie, die die Sängerin in ihre Stimme gelegt hat. Neben bereits genannten Songs kann das Doppel-Album mit „Androgyny“, „Cherry Lips (Go Baby Go!)“ und „Breaking Up the Girl“ weitere Hits bieten. Alles in allem eine sprichwörtlich runde Sache. In Vielfalt breit aufgestellt, dazu über das Alter erhaben und technisch hervorragend. Für Fans eine klare Empfehlung, für alle anderen irgendwie auch.

Garbage „Beautifulgarbage“

STUNVOLUME / BMG