Die Existenz dieses Orchesters ist ein Sieg der Musik über den Krieg, der Vernunft über den Hass, der Menschlichkeit über die Bestialität. Hinter dem harmlosen Namen Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa steckt nicht weniger als die Idee der Aussöhnung zwischen den einstigen Brudervölkern des ehemaligen Jugoslawien, die sich noch vor einem Jahrzehnt in erbitterten Kämpfen gegeneinander auslöschen wollten.
Auf Initiative des deutschen Auswärtigen Amtes und unterstützt von zahlreichen privaten Spendern fanden sich zunächst 17 Musiker zu einem Streichensemble zusammen, das nun zu einem 49-köpfigen Orchester mit Streichern, Holz- und Blechbläsern angewachsen ist. Am Freitagabend eröffnete die diesjährige Ausgabe des Jugendorchester-Festivals Young Euro Classic im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt festlich mit einem Konzert des jungen Orchesters. Es ist der erste öffentliche Auftritt überhaupt.
Aufgrund der großen Nachfrage gab es am Nachmittag bereits eine öffentliche Generalprobe vor vollem Haus. Nach rund 30 Minuten Eröffnungszeremonie mit Reden vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Staatsministerin im Auswärtigen Amt Cornelia Pieper und den Festivalmachern Gabriele Minz, sowie Deutschlandradio-Intendant Willi Steul, spielt das Festivalorchester Südosteuropa unter der Leitung des bacchantische Lebensfreude ausstrahlenden Cellisten und Dirigenten Heinrich Schiff los, als täten sie dies bereits seit Langem.
Zwei sehr filmmusikalisch wirkende Kompositionen von Nina Šenk („A moment before“) und Jelena Dabić („Beethaphase“), beides Auftragswerke für Young Euro Classic, eröffnen den Konzertabend. Šenk lässt das Orchester in einem allmählichen Crescendo ohne fühlbares Tempo aufwallen und am Ende mit einem sanften Trommelschlag verklingen. Dabić scheint den letzten Akkord des vorangegangen Stückes aufzugreifen und peitscht mit perkussiven Hieben ihre Komposition voran.
Doch das Orchester traut sich auch an Bekanntes heran, wie das Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur von Ludwig van Beethoven. Die kroatische Pianistin Martina Filjak lässt nicht den geringsten Zweifel an ihrer Musikalität, weder in den Bravourpassagen über das gesamte Register im ersten Satz, noch in den lyrischen Melodien des zweiten Satzes. Das Orchester spielt so dynamisch und temperamentvoll, wie es Beethovens Musik verlangt.
Auch im zweiten Beethoven-Werk, der Symphonie Nr. 7 A-Dur, brilliert das Ensemble, getrübt von nur sehr vereinzelten Stimmungsschwächen.
Heinrich Schiff motiviert und ermutigt zur Höchstleistung und dafür gebühren ihm und dem strahlenden Ensemble die Blumen, die anschließend jedem Musiker unter Applaus überreicht werden.
Young Euro Classic bis 22.8., Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt, Karten: 01805 568100