Wie war das mit den Totgesagten? Nach „inFinite“ vor knapp drei Jahren schien sich die Musikwelt einig, dass Deep Purple damit ein schönes Abschlussalbum vorgelegt hätte. Nun sind die Briten zurück und wollen offensichtlich allen zeigen, das man eben länger lebt als angenommen - musikalisch, versteht sich.

Rock-Senioren auf dem Mond

Wobei natürlich bei einer Band, die seit über 50 Jahren im Geschäft ist, auch mal übers Alter geredet werden muss. Die drei Kämpen der frühen Formation Ian Paice, Ian Gillan und Roger Glover sind deutlich über 70. Steve Morse mit seinen 66 Jahren der Benjamin der Combo.
Nun sind die Senioren also auf den Mond geflogen und haben für „Whoosh!“ gar die Raumanzüge übergestreift. Das 21. Studioalbum ist denn auch tatsächlich ein Überflieger geworden. Immerhin das neunte, das hierzulande die Chartspitze eroberte. Ein lupenreiner Hattrick, denn nach „NOW What?!“ und „inFinite“ das dritte Mal in Folge. Wer sollte da ans Aufhören denken...

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Die aktuelle Besetzung jedenfalls macht nicht den Eindruck. Im Gegenteil. Die Kompositionen klingen frisch und wie es scheint, haben die Musiker unter Produzenten Bob Ezrin genau das richtige Maß gefunden, alte Tugenden mit modernen Ansprüchen zu verbinden. Denn natürlich sind Purple untrennbar verbunden mit der Kombination aus rockigem Gitarrenspiel und fast schon klassischen Orgelklängen. „Putting the Deep back into Purple“ wurde nicht umsonst zum Arbeitsthema während der Produktion.
Das klassische Doppelalbum im Gatefold-Cover bietet einige Ansätze in dieser Beziehung. Manche wollen gar eine konzeptionelle Titelfolge erkennen. Mag sein. Fest steht, dass Tracks wie „Nothing At All“, „Step By Step“ oder „No Need To Shout“ unweigerlich Gene ganz großer Purple-Zeiten haben, ohne dass sich die Musiker heute am eigenen Erbe vergriffen hätten.

Wärme des Vinyls statt digitaler Kälte

Auch wenn auf den ersten Umlauf noch kein Überflieger aus den Boxen zu kommen scheint, so bestätigt doch wiederholtes Hören, dass sowohl die Arbeit der Einzelnen wie auch das Gesamtwerk eingängig wie überraschend gleichzeitig ist. Dass die analoge Wärme vom 180-Gramm-Vinyl dazu den Sound eingänglicher macht, kommt on top. Denn so mancher gewollten Disharmonie geht in der digital kalten Analyse der Reiz eher verloren. Wer zur Special-Edition greift, bekommt noch eine DVD mit raren Live-Aufnahmen mit.

Deep Purple: Whoosh! earMUSIC