Die Rolling Stones sind die Meister der Selbstvermarktung und des Eigen-Recyclings. Mit Ausnahme eines Disco-Ausfluges in den frühen 1980-ern klangen sie irgendwie immer gleich und doch zeitgemäß. Erinnert sei nur an „Living in a Ghost-Town“, das zu Pandemie-Beginn wie geschaffen erschien für den Augenblick und zugleich geradezu ein klassisches Stones-Stück war.

„Scarlett“ mit Robert Plant von Led Zeppelin

Kurze Zeit später ploppte mit „Scarlet“ ein Track auf, der das ganze Gegenteil darstellte. 1974 mit Jimmy Page von Led Zeppelin bei einer Jam Session eingespielt. Ein echtes Artefakt also. Doch wohin damit?

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Ob die Wiederveröffentlichung des 1973-er Erfolgsalbums „Goats Head Soup“ damit angeheizt werden sollte oder nur eine gute Gelegenheit war, sei dahingestellt. Fakt ist, die Langrille, die den Abschluss eines ungemein erfolgreichen  Abschnittes in der Band-Geschichte darstellte, bietet die perfekte Plattform, auch „Scarlet“ einen würdigen Platz zu geben. Um so mehr, als dass mit „All The Rage“ und „Criss Cross“ noch zwei weitere unveröffentlichte Songs sich auf der A-Seite der zweiten Scheibe finden.

Neuer Klang für alte Aufnahmen

Damit hat die 2020-Auflage des Albums, das im Gatefold-Cover daherkommt, echten Neuwert auch für alte Fans. Um so mehr, als dass die  alternativen Aufnahmen und Mixe - etwa „100 Years Ago“ nur mit Jagger und Piono oder „Dancing With Mr D“ im 1973-er Glyn Johns Mix - wirklich umwerfend klingen.
Apropos Sound: Dank Half-Speed-Mastering (Die LP-Matrize wird mit der Hälfte der Abspielgeschwindigkeit geschnitten) bildet das 180-Gramm-Vinyl die Masterbänder nahezu perfekt ab. Bühne, Instrumente, Ortung - nicht nur, dass die fast 50 Jahre seit Aufnahme den Songs nichts anhaben konnten, Lebendigkeit und Kraft sowie viele instrumentale Details lassen die Stones fast im Hörraum Wirklichkeit werden.

„Angie“, der Stones-Song schlechthin

Und das Original-Album selbst ist auch nicht ohne. Mit „Angie“ enthält es einen Stones Singnature Song. Ebenso gehören „Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)“ wie „Star Star“ zu jenen Tracks, die unweigerlich mit der erfolgreichsten Rockband der Welt verbunden sind. Zudem war „Goats Head Soup“ die letzte Platte, an der Mick Tailor komplett als Lead-Gitarrist mitgewirkt hat. Dank der Wiederveröffentlichung mit der wirklichgelungenen Bonus-Scheibe wird es den Platz in der Stones-Discografie einnehmen, der ihm zusteht.