Tatsächlich, auch Rockstars waren während der Pandemie eingesperrt und haben darunter gelitten. Ob nun der fehlende Kontakt zum Publikum, die verminderte Aufmerksamkeit der Medien oder einfach nur das Untätig sein. In Folge tauchen immer mehr Titel und Alben auf, die irgendwie einen Stempel „Während Corona entstanden“ tragen. So eines kann nun auch Ringo Starr vorweisen. Der Ex-Beatle ist wohl um die Weihnachtszeit so etwas wie einem Lagerkoller erlegen. Und einige Monate später liegt dann „Zoom In“ vor.

Im Corona-Blues vereint

Mit gerademal knapp 20 Minuten Spielzeit geht die Langrille allerdings mitnichten als vollwertiges Album durch. EP statt LP trifft es besser, obwohl letztlich dann doch fünf Songs den Weg aufs Vinyl gefunden haben. Wenn also nicht Masse, so darf man dem Schlagzeuger doch aber Klasse bescheinigen. Zumindest, bei einem Blick auf die Beteiligten. Die Crewliste ist teils lang und durchaus prominent besetzt. Schon der Opener „Here‘s To The Nights“ macht das deutlich. Der von Diane Warren geschriebene Song ist für Starr ein Lied „bei dem wir alle mitsingen wollen“. Und so fanden sich dann zu unterschiedlichen Zeiten der frühere Kollege Paul McCartney und der erweiterte Freundeskreis von Sheryl Crow, Dave Grohl, Chris Stapleton bis Lenny Kravitz ein, um ein gemeinsames Werk auf die Beine zu stellen. Ganz im Sinne großer Weihnachts-Charity-Klassiker. So klingt das Ganze dann auch. Gemeinsam hat man den Corona-Blues verarbeitet.
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Zu den prominenten Arbeitern, die immer oder zumindest fast, mit von der Partie wahren, gehören Nathan East, Steve Lukather oder Ex-Doors-Gitarrist Robby Krieger. Starr finden wir am Mikrophon wieder und natürlich am Schlagzeug. Inhaltlich bewegt sich das Geschehen dabei in jenem Universum, in dem sich Ringo schon seit jeher selbst verortet und das er mit seinem plakativen T-Shirt auch jeden wissen lässt. „Peace Now“ steht da drauf und das soll auch die Botschaft sein. Mit „Not Enough Love In The World“ bringt er es auf den Punkt, die Befindlichkeiten auf einem von der Pandemie beherrschten Planeten. Klingt gut, sowohl als auch.

Von Rock bis Jazz, von Country bis Reggae

Das darf man getrost auf die restlichen Songs ausweiten. Starr-typisch ist die Gesamtausrichtung nicht so festgelegt. Zwischen Rock und Jazz, Country und Reggae pendelt der Sound, ohne jedoch in einem Genre zu präsent zu sein. Das macht die Sache durchaus abwechslungsreich. Und da die Mehrheit der Tracks gar nicht vom Star selbst geschrieben wurde, darf vermutet werden, dass er hier vor allem als der Veredler aufgetreten ist. Zumindest wird Ringo in den Credits auch als Produzent geführt. Das stellt sicher, dass sich sein Spirit in Klang und Deutungshoheit wiederfindet. Für einen 80-jährigen ein durch und durch frisches Ergebnis, auch für jüngere Zuhörer.

Ringo Starr: Zoom In


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