Dieser Roman spielt zwar nicht in Beeskow, und sein Held ist auch nicht der örtliche Burgschreiber. Doch der Stoff ist ganz offenkundig inspiriert vom Alltag eines Schriftstellers, der sich von Stipendium zu Stipendium hangelt. „Unter Komplizen“ ist eine satirische Bestandsaufnahme des Kulturbetriebes mit seinem kreativen Prekariat, das kaum von verkauften Buchauflagen, Gemälden oder Auftragswerken leben könnte.
Der Autor Ralph Hammerthaler war im Winterhalbjahr 2008/09 Burgschreiber in Beeskow. Außerdem war er Stadtschreiber in Dresden (2011), Rheinsberg (2012), Pristina (2013) und Split (2014). Kurz: Er weiß, wovon er schreibt. Seine Texte sind bei der Kritik meist wohlgelitten; das gilt für sein Libretto zur „Bestmannoper“ (2006), aber auch für Romane wie „Kurzer Roman über ein Verbrechen“ (2016). Geboren wurde Hammerthaler 1965 im oberbayerischen Wasserburg am Inn; der promovierte Soziologe ist auch journalistisch tätig. Heute lebt er in Berlin. Nun kehrt er mit „Unter Komplizen“ für eine Lesung zurück nach Beeskow.
Der Roman ist böse, ernüchternd und über die stolze Distanz von knapp 500 Seiten immer wieder urkomisch. Das Buch zeigt den Kunst- und Literaturbetrieb mit seinen Eifersüchteleien und Eitelkeiten, vor allem aber mit seinen materiellen Niederungen. Er spielt eben nicht auf der Burg von Beeskow, sondern vornehmlich im süddeutschen Raum und dort auf einem durchaus vergleichbaren Anwesen im fiktiven Seestadt. Zwischen zwei Gedichtbänden oder Opernpremieren müssen die „Komplizen“ schon einmal Jobs als Spielautomaten-Klangkomponisten oder gar bei einem Sicherheitsdienst annehmen. Nach außen hin pflegen sie das Leben als Bohemien.
Da ist der Schriftsteller Ben, dann der Komponist Sirius, schließlich die russische Künstlerin Oksana. Um sie herum entfaltet Hammerthaler ein skurriles Figurenarsenal, ein Gruppenbild aus sympathisch scheiternden Originalen. Sie entwickeln eigentümliche Marotten, die es ihnen erlauben, ihren Verwirklichungsdrang zu kanalisieren. Sie führen ein ausschweifendes Sexleben, es sind verlotterte Libertins. Vor allem Ben ist mit den Romanhelden des österreichischen Autors Thomas Glavinic vergleichbar: Es sind nicht mehr ganz junge Männer, die in ihrer Lebensführung im Studentenmodus hängen geblieben sind und vielleicht auch zu lange alleine waren.
Dieser Blick auf die Abgründe des Kunstbetriebes mag am Rand zur Misanthropie angesiedelt sein. Er ist auf jeden Fall unterhaltsam. Hammerthaler zeigt Autoren in der Sinn- und Schreibkrise, die ganze Sommer in den wechselnden Kleinstädten vertändeln, in die sie gerade ein Stipendium geführt hat. Er erzählt aber auch mit großer Empathie von dem notwendigen Elend, durch den jeder Künstler auf dem Weg zu bleibenden Werken wohl waten muss.
Ralph Hammerthaler: „Unter Komplizen“, 450 S., Verbrecher Verlag, 24 Euro