Da die drei ersten Kantaten die klangprächtigeren sind, werden sie häufiger aufgeführt als die eher von dramatischen Betrachtungen geprägten anderen drei. Doch man kann sie natürlich auch in wechselnden Kombinationen zu Gehör bringen. Beispielsweise als Mix aus der jauchzend-frohlockenden ersten mit der fünften und sechsten Kantate.
Dafür hat sich Rudolf Tiersch, Chordirektor der Frankfurter Singakademie, entschieden und verbreitet mit dieser Paarung am dritten Adventssonntag in der Frankfurter Konzerthalle den erwünschten adventlichen Stimmungszauber. Als weitere Vermittler der Weihnachtsbotschaft stehen ihm Mitglieder des Brandenburgischen Staatsorchesters sowie vier Solisten zur Verfügung.
Obwohl von den Choristen und den Instrumentalisten schon oft musiziert, meidet Tiersch mit seiner ausgewogenen, konzentrierten, auf festlich-jubilierende Stimmungen angelegten Lesart erneut jegliche Routine. Leicht und locker, sehr sauber, kraftvoll akzentuiert, im stets ausbalancierten Stimmengefüge erklingen die Chöre. Schlicht und ausdrucksvoll gesungen, verbreiten die Choräle nachdenkliche Erhabenheit. Auch hierbei durch das schnörkellose, gefühlswarme Spiel der Musiker unterstützt. Da kommt nie Langeweile auf!
Die Rezitative des Evangelisten trägt Benjamin Glaubitz mit heller tenorlyrischer Rhetorik vor, wobei ihm die extreme Höhe einige Probleme bereitet. Bassbaritonale Direktheit bestimmt den Vortrag von Tobias Hagge, der die von drei Trompeten strahlend begleitete "Großer Herr"-Arie sehr zügig, aber mit merkwürdigen Vokalverfärbungen anstimmt. Im Lyrischen dagegen fühlt er sich hörbar wohler. In der Altarie "Bereite dich, Zion" und den Rezitativen bevorzugt Bettina Denner einen eher objektivierenden Vortragsstil, auf den auch die Sopranistin Maria Perlt vertraut. Trompetenfestlich und paukenwirbelnd schlägt der bekenntnishafte Schlusschoral der sechsten Kantate den Bogen zum jauchzend frohlockenden Beginn der ersten Kantate. Der Beifall gerät entsprechend.