Am Krankenhaus ist er gewesen. Und an der ehemaligen Johannes-R.-Becher-Oberschule, die seit Jahren leer steht. Gleich gegenüber, im Diesterwegring, hat Paul van Dyk als Kind gewohnt. "Eigentlich eine ganz schöne Ecke", sagt er. Und: "Gesetzt, das Umfeld stimmt, sprich man hat einen Job hier, Freunde, Familie, ist Eisenhüttenstadt eine coole Stadt zum Leben."
Als Matthias Paul ist der DJ, Musikproduzent und Radiomoderator dort am 16. Dezember 1971 zur Welt gekommen. Etwa sieben Jahre später zog er mit seiner Mutter nach Berlin. Die Erinnerungen an seine Wurzeln aber sind geblieben. So hat Paul van Dyk schon wiederholt in der Stahlstadt aufgelegt, zuletzt beim Stadtfest vor sechs Jahren.
Das erste Mal, erinnert er sich, sei er in Begleitung des Musiksenders MTV in seine Heimat zurückgekommen. "Da habe ich ganz verzweifelt meinen ehemaligen Kindergarten gesucht. Den muss es wohl nicht mehr geben." Später dann reiste van Dyk auch mit dem Kulturkanal Arte durch Eisenhüttenstadt - und am Montag nun mit Redakteuren einer Berliner Zeitung. Er selbst nimmt diese Stippvisiten in die eigene Vergangenheit sehr ernst. "Egal, was man macht: Man darf nicht vergessen, wo man her kommt, was das echte Leben ist", sagt er.
Paul van Dyk, zu Hause in den Partymetropolen dieser Welt zwischen Europa, Amerika, Australien, Asien, wiederholt ausgezeichnet als weltbester DJ und Technoproduzent: Wer ihm gegenüber sitzt, mag kaum glauben, wie geerdet der gelernte Nachrichtentechniker und Tischler bei alldem geblieben ist. Er selbst sieht darin eine Erklärung, warum er auch nach mehr als 20Jahren noch immer so viel Erfolg hat. "Wenn man weiß, was wichtig ist, läuft man nicht Gefahr, an diesen Hype zu glauben, der um einen gemacht wird. Und nur dann hat man die Chance, künstlerisch authentisch zu bleiben, nicht jedem Trend nachzulaufen."
Seinen eigenen Stil hat Paul van Dyk bislang auf insgesamt sechs Studioalben gebannt; Singles wie "Wir sind wir", "For An Angel", "Time Of Our Lives" und "Tell Me Why" konnten sich regelmäßig in den Hitparaden platzieren. Seit seinen Anfängen - "damals war der DJ noch der Freak in der Ecke" - habe sich die Szene von einer Subkultur zur großen Bewegung gewandelt, resümiert er.
Wie lange er selbst noch an Plattentellern, die ja längst Computer sind, stehen kann? "So lange, wie ich die Verbindung zum Publikum finde", ist der Berliner sicher. Dass er sich darum noch nicht sorgen muss, davon kann man sich am 6. Juli in der Berliner Zitadelle überzeugen. Gemeinsam mit anderen Stars der elektronischen Musik wird van Dyk dort beim zweiten "We Are One"-Festival auflegen und einen Vorgeschmack auf sein neues Album "The Politics Of Dancing 3" geben, das im Oktober in die Läden kommt.
In den nächsten Tagen allerdings ist der Musiker erst mal wieder in den USA unterwegs, bevor dann die Saison auf Mallorca und Ibiza beginnt. Schon jetzt ist sein Terminkalender voll bis April 2014. Ob es Auftrittsorte gibt, an die er sich besonders gern erinnert? New York, sagt er, der Central Park zum Beispiel, oder das Berliner E-Werk, wo seine Karriere begonnen hat. Und, ja, auch das Stadtfest in Eisenhüttenstadt. "Da habe ich mir vorher schon ein bisschen in die Hosen gemacht, weil ich nicht wirklich wusste, was ich auflegen soll. Viele Leute kannten vielleicht noch meinen Namen, aber nicht meine Musik. Dass sie sich dennoch darauf eingelassen und mitgemacht haben, war toll." Und auch ein großer Spaß für den Remix-Meister selbst. "Am Ende sind gerade solche Abende eine größere Herausforderung, als vor einem Publikum aufzutreten, das einen ohnehin schon kennt."