„Wir denken nicht nur heute daran, wir denken jeden Tag daran“, rang Frontmann Eddie Vedder vor den Fans mit den Tränen und seiner Fassung. Vielleicht ein Grund, warum der 45-Jährige schon zu Beginn bat, dass alle gut auf ihre Nachbar-Rocker im Gemenge achtgeben sollten.
Trotzdem – vielleicht auch gerade deswegen – hatten die fünf Musiker, die schon zum fünften Mal auf der Freilichtbühne in der Wuhlheide spielten, einige ganz besondere Perlen in ihren Instrumentenkoffern und im Backstagebereich versteckt.
Nicht nur, dass Eddie Vedder zur Überraschung der Fans schon bei der Vorband Ben Harper and Relentless7 mit seiner lockigen Wuschelmähne hintern dem Vorhang hervorsprang und mit dem Blues-Jazz-Musiker den Queen/David-Bowie-Klassiker „Under Pressure“ sang. Er holte auch noch den Gitarristen Peter Buck und Scott McCaughey von R.E.M für einen Song auf die Bühne, schmetterte bei seiner fast einstündigen Zugabe außerdem alte 70er-Punk-Hits und wünschte allen Fans in holprigem Deutsch „einen schönen Abend mit Freunden“.
Doch über allen Zusatzperlen, die die Väter des Grunges über die klatschende und kreischende La-Ola-Wellen-Masse verschütteten, schwebte doch am Ende nur eines: Die knorrige Reibeisenstimme eines kaum über 1,70 Meter großen Mannes, der mit seinem unscheinbaren Wesen und ausgewaschenen Peace-T-Shirt selbst tätowierte Langhaar-Rocker dazu brachte, bei den Songs „Alive“ und „Black“ das Feuerzeug zu zücken und dabei ihrer Liebsten den Rücken zu tätscheln.