Kaum vorstellbar, dass das Vorsprechen vor einer Jury für manche zum Berufsalltag gehört. Wie halten professionelle Musical-Darsteller das nur aus? Da gibt es beispielsweise Lena, gespielt von Larissa Kristina Puhlmann, die gerade ihren Abschluss an einer renommierten Musical-Schule in Hamburg gemacht hat und nun voll motiviert für ihr erstes Engagement bei einem Theater vorsingen möchte.
Doch bereits in der Umkleidekabine verpasst ihr die ältere Sängerin Jessie, dargestellt von Claire Varga, einen Dämpfer. Letztere sieht in der jungen und schönen Lena eine Konkurrentin und macht sie nach allen Regeln der Kunst fertig. So will sie Lena weismachen, dass bei einem Casting vor allem die Erfahrung zähle, die Lena als Neuling im Geschäft nicht vorweisen kann. Lena kontert, dass man Jessies Erfahrung an ihren vielen Falten im Gesicht sehe. Der verbale Schlagabtausch der Frauen geht in einen erheiternden Katzenkampf über, in dem beide miauend zeigen wollen, wer von ihnen die Bessere ist.
Bei dem von Peter Fabers inszenierten Abend wechseln sich gespielte Szenen mit Musik- und Tanzeinlagen ab. Es werden Stücke aus Musicals wie "Bonnie & Clyde", "Fame" und "Hairspray", aber auch bekannte Lieder von Interpreten wie Ich & Ich zum Besten gegeben. Die Stücke, die allesamt vom Wunsch, ein Star zu sein, sowie den dunklen Seiten des Showgeschäfts erzählen, wurden passend zum jeweilig verhandelten Thema ausgewählt.
Und wie es sich für ein Theatervorsprechen gehört, in dem die Bewerber mit einstudierten Szenen ihr Können zeigen, schlüpfen die Darsteller in die Rollen verschiedener Musicals. So sind sie mal eine Figur aus "Cats", dem "Phantom der Oper" oder "Starlight-Express".
Die vier jungen Schauspieler geben auf der Bühne insgesamt eine gesanglich und tänzerisch gute Leistung ab. Es gefällt, dass sie viele der Lieder individuell interpretieren. Insbesondere Claire Varga und Larissa Kristina Puhlmann überzeugen mit ihren gut ausgebildeten Stimmen.
Einer der Höhepunkte des Abends ist der Auftritt eines Regisseurs, gespielt von ubs.-Intendant Reinhard Simon, der mit dem Song "Die Bühne saugt mich aus" einen tiefen Einblick in die Seelenlage eines Mannes gibt, der über Gedeih und Verderb von jungen, hochmotivierten Menschen entscheiden muss.
Der Weg auf die Bühne ist lang und beschwerlich. Unerlässlich ist es da, nicht den Glauben an sich selbst zu verlieren. Das bedeutet auch, sich von seinen ärgsten Kritikern zu befreien - selbst dann, wenn es die eigenen Eltern sind. So geht es Lena, die sich gerade bei dem alles entscheidenden Vorsingen befindet, als ihre Mutter, ein in die Jahre gekommener Provinz-Star, einfach hereinplatzt, um sie vor dem Regisseur zu degradieren.
Doch manchmal steht sich ein Sänger auch selbst im Weg, weil er es zu gut machen will. Bewerber Florian, dargestellt von Manuel Heuser, ist so einer. Als sein Konkurrent Ben, gespielt von Benjamin Oeser, ihm Entspannungstipps gibt, wird deutlich, dass alles Showgeschäft die menschliche Seite glücklicherweise nicht ganz zerstören kann. Davon erzählt auch die Liebesgeschichte zwischen Ben und Lena, der selbst das "Phantom der Oper", ebenfalls Reinhard Simon, nichts anhaben kann.
Geschrieben haben die Musical-Revue Jan Kirsten, Max Beidemann, Uli Herrmann-Schroedter, Maren Rögner und Reinhard Simon. "Ich bin ein Star - lasst mich hier rein!" ist ein leichter, unterhaltsamer Abend, der vor allem Musicalfans gefallen dürfte.
Vorstellungen: 8., 15., 16. und 17. Dezember, jeweils ab 19.30 Uhr, Uckermärkische Bühnen Schwedt, Kartentelefon: 03332 538111