Der Brite Ben Jonson - ein Zeitgenosse Shakespeares - hat die Geschichte des reichen Venezianers, der mit viel Aufwand versucht, die umtriebigen Erbschleicher zu entlarven, in der Form einer Fabel erdacht. Jonson macht sie zu einer tierischen Angelegenheit und holt sie damit dennoch ganz nah zu den Menschen zurück. Denn die Gier nach Reichtum und Anerkennung war und ist wohl in allen Zeiten so abstoßend wie menschlich. Regisseur Frieder Venus hat die englische Vorlage entschlackt und behutsam aktualisiert, er bietet mit der 90-minütigen Inszenierung leichte Kost, die für einen lauen Abend unterm Sternenhimmel wohl verdaulich ist.
Die große Holzbühne ist spärlich ausgestattet. Dreh- und Angelpunkt ist die Badewanne, in der Volpone sein Geld hortet, er sitzt buchstäblich darauf. Mit einer Matratze als Deckel wird die Wanne gleichzeitig zum Kranken- und Sterbebett. Das reicht. Daneben nutzen die Darsteller die beiden Ebenen, um das Auf und Ab des Lebens und der Gefühle auch körperlich zu demonstrieren.
In gewohnter Hexenkessel-Manier entfalten die Akteure ihre Bandbreite an Wandelbarkeit. Andreas Köhler gibt den listigen Fuchs mit großer Leichtigkeit, Tobias Schulze stakst hager als Geier durchs Bild, Michael Schwager lässt den Raben mit fettem Wanst so richtig satt sein, während Bernd Stichler so präsent und unangenehm ist, wie das eben nur Schmeißfliegen sind. Dabei helfen vor allem Kostüme (Isa Mehnert) sowie Masken und Perücken (Nora Krätzer, Nina Dell).
Denn die Suche nach dem Erben gestaltet sich schwierig. Dabei wendet Volpone eine List an: Er simuliert den Sterbenden, um herauszufinden, welcher Freund ein wahrer Freund ist. In seiner Maßlosigkeit zieht er den vermeintlichen Vertrauten Geld oder Schmuck aus der Tasche. Denn die Erbschleicher scheuen kein Opfer, wenn zum Lohn die Wanne voll ist. Am Ende steht auch Volpone mit leeren Händen da, während ein ganz Anderer der lachende Dritte ist - auf der Bühne und im Publikum.
"Volpone - oder der Fuchs", bis 31. August, Dienstag bis Sonnabend, 21.30 Uhr, Amphitheater Berlin im Monbijou-Park.