Dass Lenné aber auch über die Grenzen des Berlin-Potsdamer Raums tätig war, ist heute eher wenig bekannt. Die Ausstellung "Meisterhaft wie selten einer - die Gärten Peter Joseph Lennés zwischen Schlesien und Pommern" im Schloss Branitz gibt einen Überblick über die östlichen Gartenanlagen des Meisters, der seit 1854 als Generaldirektor der Königlichen Gärten fungierte. So lassen sich knapp 30 Gartenalangen Lennés auf dem Gebiet des heutigen Polen nachweisen. Eine Handvoll weitere können ihm zugeordnet werden. Ein Großteil der Anlagen befindet sich, wie die Ausstellung dokumentiert, in den heutigen Wojewodschaften Westpommern (Pomorze Zachodnie), Niederschlesien (Dolny Slask) und Lebus (Województwo lubuskie). Welche Reichweiten seine Arbeiten hatte, zeigen auch Entwürfe für Oliva (Oliwa) an der Danziger Bucht und Sensburg in Masuren (Mragowo). Bis aus Westpreußen kamen seine Aufträge.
Dass Lenné mit seinen Entwürfen und Zeichnungen nun ausgerechnet auf heimischem Terrain des Fürsten Pückler, sein großer Widersacher, zu sehen ist, stellt keinen Widerspruch dar. Sind doch hier gut die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Konkurrenten, die sich trotz aller Unterschiede respektierten, nachzuvollziehen: Lenné als akribischer und effizient arbeitender Ingenieur und Pückler, der großzügig Phantasie und Natur arbeiten ließ. Beide holten sich ihre Anregungen aus England, wo der englische Landschaftspark im wahrsten Sinne blühte.
Im Jahr 1858 erhielt Lenné einen seiner bedeutenden Aufträge in Niederschlesien: den Entwurf einer Terrassen- und Gartenanlage in Kamenz (Kamieniec Zabkowicki). 1837 hatte Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau, Ehefrau von Prinz Albrecht, das Anwesen geerbt. Sie beschloss, an den Hängen des Harthabergs (Wzgórze Zamkowe) ein elegantes Schloss zu errichten. Nach Entwürfen von Schinkel erhielt der Residenzbau die Form eines mittelalterlichen Schlosses mit Terrassen, die auf das Warthagebirge und das Eulengebirge ausgerichtet waren. Der von Lenné errichtete Terrassengarten zeichnete sich durch viele architektonischen Details aus, in denen er zum Beispiel einen geometrischen Stil andeutete, den er später vervollkommnete.
Wer den Spuren Lennés in den Osten der ehemaligen Provinz Brandenburg, in die Neumark (heute Wojwodschaft Lebus) folgt, stößt auf die Parks von Pieske (Pieski) und Sonnenburg (Slonsk). Beide Anlagen wurden nach 1945 fast völlig zerstört, so dass heute nur noch Überreste zu sehen sind. Im schlesischen Teil der heutigen Wojewodschaft Lebus befindet sich der bekannte Schlosspark der Stadt Sagan (Zagan). Hier war Lenné für Herzogin Dorothea von Sagan beratend tätig.
Dass sich in Polen heute Engagierte finden, die ein ursprüngliches preußisches Kulturgut fördern, ist nicht selbstverständlich. Seit etwa 20 Jahren werden im Nachbarland immer wieder neue Initiativen ins Leben gerufen, die sich der Pflege und Erneuerung von Parkanlagen, die nach Lenné-Entwürfen entstanden, widmen.
So wurden 2011 elf Schloss- und Parkensembles im Hirschberger Tal (Kotlina Jeleniogórska) als Geschichtsdenkmäler eingestuft - unter anderem die Anlagen in Lomnitz (Lomnica) und in Erdmannsdorf (Myslakowice),
Zur Ausstellung ist ein Buch für 24,80 Euro unter dem Titel "Die Gärten Peter Joseph Lennés im heutigen Polen" erschienen (ISBN: 978-3-89923-366-7). Herausgegeben wurde es vom deutschen Kulturforum östliches Europa und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Marcus Köhler und Christoph Haase sind die Hauptautoren. Das gut gestaltete Buch bietet eine Vielzahl von Zeichnungen und Entwürfen, die weit über das Fachliche hinausgehen. Deutsche und polnische Autoren sind mit lesenswerten Essays vertreten. Es stellt zugleich die Projekte vor und wirft einen Blick in eine vergangene Epoche.
"Meisterhaft wie selten einer - die Gärten Peter Joseph Lennés zwischen Schlesien und Pommern"; Schloss Branitz, tgl. 11 bis 17 Uhr; bis 16. Juli