Die "Konrad Wolf" ist eine der erfolgreichsten Talentschmieden Deutschlands, allein in diesem Jahr sind vier weitere Studierende auf dem Filmfest in der selben Sektion vertreten. Außerdem zeigt Jakob Lass seinen Film "Tiger Girl" im Panorama. Konkurrenten seien sie jedoch nicht, helfen sich vielmehr. "Wir haben so viele Berührungspunkte, es ist ein kollegiales Gefühl", sagt Miera. Eines seiner Vorbilder ist Alumni Andreas Dresen. "Halbe Treppe" gehöre zu seinen filmischen Erweckungserlebnissen. Dresens Arbeitsweise sei die Seine.
Auch in "Ein Weg" seien viele Szenen improvisiert, der Prozess des Einander-Wahrnehmens stehe im Mittelpunkt. "Ich gehe sehr gern in das Sensible rein, das mag ich. Dieses Naturalistische, fast Dokumentarische wird in Potsdam sehr gefördert." Breit gefächert könne man sich an der Uni austoben, vom Werbetrailer bis zur Theaterarbeit. "Der Spagat zwischen Kommerziellem und Künstlerischem wird genau getroffen. Man muss aber natürlich auch seine eigenen Schritte gehen, und das ist gut so", so der junge Regisseur.
"Das Erfolgskonzept sind unsere Studierenden selbst, die konsequent ihre künstlerischen Ziele verfolgen und ihre Ideen und Positionen gekonnt in ihren filmischen Projekten umsetzen", sagt Julia Diebel von der Filmuni. "Wir sind Kunsthochschule und klassische Universität in einem. Das heißt, wir realisieren nicht nur filmische Projekte, wir erforschen den Film auch in all seinen Dimensionen."
Ziel sei es, die individuelle und künstlerische Persönlichkeit zu stärken, um die Widersprüche aushalten zu können, die das Filmemachen von den Absolventinnen und Absolventen abfordern werde. Willkommen seien Querdenker "mit Mut zum Außergewöhnlichen und dem Bedürfnis zu erzählen", sagt Diebel. "Wir wollen anleiten und inspirieren, nicht vorgeben. Initiation und Training sind Stichworte. Wir wollen den nötigen Freiraum gewähren, um experimentieren zu können, sich auszuprobieren. Und genauso auch den geschützten Raum, um Scheitern zu dürfen und daraus zu lernen."
Gescheitert ist Miera mit "Ein Weg" auf keinen Fall. Der Regisseur darf unter anderem auf den "Teddy Award" hoffen, den schwul-lesbischen Filmpreis des Berlinale, der am Freitag verliehen wird. Die Gewinner in der Perspektive werden an diesem Tag ebenfalls ausgezeichnet.
Wichtiger als Preise sind für Miera jedoch die guten Gespräche, die er nach den Vorstellungen mit dem Publikum geführt habe. "Ich will, dass die Leute anfangen zu denken, sie mitnehmen." Für ihn, der übrigens auch den Trailer für das Filmfest Cottbus 2014 gedreht hat, geht es nach der Berlinale weiter. Als Meisterschüler von Barbara Albert wird er sich in den kommenden zwei Jahren seinem Debütfilm widmen. "Es wird eine Geschichte über eine tiefgehende Freundschaft werden, die mit dem Genre Thriller verknüpft wird", verrät er schon jetzt.
Preisverleihung Kompagnon-Förderpreis und Kompass-Perspektive-Preis 2017: Freitag, 19.30 Uhr